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Ruth Geier bietet seit 15 Jahren kostenlose Sprachberatung in Sachsen

Es gibt für Ruth Geier wohl keine Frage zur deutschen Sprache, die sie nicht beantworten kann. Es gibt aber auch fast keine Frage zu sprachlichen Unklarheiten, die der promovierten Sprachwissenschaftlerin nicht schon gestellt worden wäre: An der TU Chemnitz bietet die 64-Jährige seit zehn Jahren eine Sprachberatung an, hilft mit Unterstützung von Studenten in allen sprachlichen Zweifelsfällen.

Chemnitz . Es gibt für Ruth Geier wohl keine Frage zur deutschen Sprache, die sie nicht beantworten kann. Es gibt aber auch fast keine Frage zu sprachlichen Unklarheiten, die der promovierten Sprachwissenschaftlerin nicht schon gestellt worden wäre: An der TU Chemnitz bietet die 64-Jährige seit zehn Jahren eine Sprachberatung an, hilft mit Unterstützung von Studenten in allen sprachlichen Zweifelsfällen.

Von denen halte die deutsche Sprache mehr als genug bereit. Das Motto der kostenlosen Chemnitzer Sprachberatung lautet «Wir können nicht alles, aber Deutsch.» Das hat sich inzwischen weltweit herumgesprochen. Selbst aus dem fernen Korea oder den USA erreichen die Sprachberater unterschiedlichste Anfragen. Dabei geht es um die Herkunft bestimmter Wörter, die korrekte Verwendung des sogenannten Fugen-s bei zusammengesetzten Begriffen oder den richtigen Fall.

Die Anfragen kämen aus allen Berufs- und Altersgruppen, sagt die Wissenschaftlerin. Pro Tag treffen mindestens zwei bis drei E-Mails ein. Immer donnerstags ist zudem eine Stunde lang ein Beratungstelefon unter Chemnitzer Vorwahl geschaltet.

«Die deutsche Sprache ist ständig im Wandel», sagt Geier. Insbesondere beobachtet sie einen Trend zur Vereinfachung, was im Zeitalter von SMS und E-Mail auch kein Wunder sei. Die jüngsten Rechtschreibereformen befürwortet die Sprachexpertin zwar, kritisiert jedoch, dass diese nicht konsequent zu Ende geführt wurden. So bleiben Zweifelsfälle bestehen, und weitere Änderungen werden kommen.

Geier vermutet beispielsweise, dass die doppelte Kennzeichnung des Genitivs mit Artikel und dem «S» am Ende des Substantivs wahrscheinlich irgendwann der zunehmenden Vereinfachung der Sprache zum Opfer fallen wird. Fälschlicherweise wird schon jetzt der Dativ häufig anstelle des korrekten Genitivs verwendet. Und solche Fehler von heute könnten zur Norm von morgen werden.

Einzelnen Wörtern wiederum trauert Geier nicht nach. «Ich gehöre nicht zu denen, die den Schlüpfer oder die Wählscheibe retten wollen», sagt sie augenzwinkernd. Wenn die Begriffe nicht mehr benötigt werden, dann verschwinden sie auch aus dem Sprachgebrauch. Das sei schon immer so gewesen.

So sehr in der flüchtigen Alltagssprache auch geltende Regeln ignoriert werden, bei der Schriftsprache plädiert Geier für korrektes Deutsch. Sie rät deshalb ihren Studenten auch dazu, das Verfassen von Bewerbungsschreiben zu trainieren und die Ergebnisse vorm Abschicken durchaus auch korrigieren zu lassen. Gegen einen geringen Obolus können die Studierenden der Chemnitzer TU auch ihre Abschlussarbeiten von den Sprachberatern auf Orthografie und Grammatik hin überprüfen lassen.

In speziellen Jugendsprachen, über deren Verwendung sich beispielsweise junge Leute aus Familien mit ausländischen Wurzeln identifizieren, sieht die Germanistin keine Gefahr für die deutsche Sprache. Auch die mitunter merkwürdig anmutenden Äußerungen von Sängerin Lena Meyer-Landrut - «Verdammte Axt, ist das geil!» - hält Geier allenfalls für einen «Hype, der bald vorübergeht».

Wenig Verständnis hat Geier für groß angelegte Kampagnen von Ämtern oder Behörden, die mit öffentlichen Geldern gefördert sind und mit der Sprache sehr stiefmütterlich umgehen. «Randale schadet Sachsen» hatte das Dresdner Innenministerium unlängst eine Aktion gegen Ausschreitungen bei Fußballspielen überschrieben und dabei glatt übersehen, dass Randale die Mehrzahl ist, erklärt sie. Fast schon aufgegeben hat Ruth Geier bei der überflüssigen Verwendung des Apostrophs. Sie spricht schmunzelnd vom «Deppenapostroph», wenn bei «CDs» oder «Rollmops» Wortstämme grundlos zerhackt oder das Plural-s abgetrennt werden.

Die Freude an der Sprachforschung hat Geier, die aus Eisenach stammt, nach eigenen Angaben erstmals während ihres Studiums verspürt. In Absprache mit der Gesellschaft für deutsche Sprache hat sie 1996 ein erstes Beratungstelefon an der Uni Leipzig eingerichtet. Als sie beruflich nach Chemnitz wechselte, wurde die Sprachberatung an der dortigen TU etabliert. Das besondere Sprachgefühl von Germanistin Geier ist nicht nur bei Zweifelsfällen von Orthografie und Grammatik gefragt. Auch Detektive und Kriminalisten schätzen den Rat der Wissenschaftlerin, beispielsweise bei der Analyse anonymer Schreiben.



ddp - Bild © ddp

geschrieben am: 26.06.2010
Redaktion DD-INside.com


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