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Mutter wird 65

Was schenken wir? Dieser Gedanke geht drei sehr unterschiedlichen Geschwistern durch den Kopf, denen in dem ARD-Familiendrama «Alles Liebe» plötzlich klar wird, dass ihre allein lebende Mutter bald ihren 65. Geburtstag feiert. Das Erste strahlt den Fernsehfilm von Regisseur Kai Wessel am Mittwoch um 20.15 Uhr aus.

Berlin . Was schenken wir? Dieser Gedanke geht drei sehr unterschiedlichen Geschwistern durch den Kopf, denen in dem ARD-Familiendrama «Alles Liebe» plötzlich klar wird, dass ihre allein lebende Mutter bald ihren 65. Geburtstag feiert. Das Erste strahlt den Fernsehfilm von Regisseur Kai Wessel am Mittwoch um 20.15 Uhr aus.

Beim Blättern im Terminkalender entdeckt die 37-jährige Kathrin (Karoline Eichhorn), arbeitssüchtige Chefin einer PR-Agentur, dass ihre Mutter Irma (Hannelore Elsner) in Kürze 65 Jahre alt wird. Per Mail informiert sie ihre chaotische 34-jährige Schwester Nettchen (Julia Brendler), die ihre 13-jährige Tochter Louisa (Ricarda Zimmerer) allein erzieht, und den 27-jährigen Bruder Laurenz (Axel Schreiber), einen verwöhnten Medizinstudenten. Viel mehr als das angepnte Verhältnis zu ihrer Mutter, deren autoritärer Mann vor neun Jahren an einem Infarkt gestorben ist, verbindet das Trio nicht.

Aber zu so einem Jubiläum müssen sie Irma schon besuchen, die jedoch keine Neigung zeigt, den Geburtstag zu feiern oder gar auf ihr Leben zurückzuschauen. Und sie beschließen, ihr etwas Besonderes schenken. Die von Laurenz vorgeschlagene Küchenmaschine hat keine Chance, dafür fahren sie mit Irma zum Ferienhaus am See, das die Familie schon lange nicht mehr nutzt. Hier, so glauben sie, verbrachte die Familie einst glückliche Tage. Doch die mit verbundenen Augen zum Haus gefahrene Mutter gesteht vor Ort: «Ich war nie gern hier.» Das erhoffte fröhliche Beisammensein wird überschattet von lange verdrängten Gefühlen und wechselseitigen Schuldzuweisungen. Die angepnte Situation verschärft sich, als drei Überraschungsgäste eintreffen.

Einen pittoresken Schauplatz haben die Produzenten mit einer halbverfallenen Villa am Ammersee gefunden, in der der Großteil der Irrungen und Wirrungen spielt. Ihr morbider Charme korrespondiert mit den Brüchen, die das familiäre Beziehungsgerüst durchziehen. Der erfahrenen Drehbuchautorin Beate Langmaack gelingt es überzeugend, die latenten Spannungen und verschwiegenen Verletzungen einer Familie, deren Mitglieder sich auseinandergelebt haben, in einem kraftvollen Drehbuch mit lebensnahen Dialogen anschaulich zu machen.

Und der 48-jährige Regisseur schafft es, das Wechselspiel aus Anziehung und Abstoßung, aus unterdrückter Aggression und impulsivem Versöhnungsbedürfnis, auf engem Raum in Szene zu setzen, ohne dass der Humor zu kurz kommt. Denn einige eingestreute Eskapaden wie das spontane Schäferstündchen von Laurenz mit seiner schrillen sexbesessenen Freundin lockern erfreulicherweise hin und wieder die innerfamiliären Schachzüge auf.

Allerdings bilden Langmaack und Wessel, beide gebürtige Hamburger, auch ein eingespieltes Team. Seit Wessels Kurzspielfilm «Menschen betten Glück und Leid» (1985) hat die 52-Jährige schon sechs Mal die Drehbücher für seine Filme geschrieben, darunter vor sieben Jahren das Grimme-Preis-gekrönte TV-Drama «Leben wäre schön».

Für Hannelore Elsner ist die Irma eine Paraderolle. Wie sie die verbitterte Hausfrau verkörpert, die auf eigene berufliche Ambitionen der Kinder wegen verzichtet hat, die ihr das aber nicht danken, gibt der 68-Jährigen reichlich Gelegenheit, ihr Können zu zeigen. Frust und Selbsthass, Kummer und Aufbegehren kämpfen auf ihrem Gesicht, ohne dass Elsner einmal ins Plakative abdriften würde.

Aber auch das übrige Ensemble zeigt unter Wessels Regie keine Schwächen. Sogar die junge Ricarda Zimmerer kann als vorlaute Louise mit den erwachsenen Kollegen locker mithalten. Schade nur, dass das Drama nach so viel emotionalem Zündstoff am Ende so halbherzig ausplätschert und ohne plausible Konfliktlösung in eine alberne Slapstick-Szene mündet.



ddp - Bild © ddp

geschrieben am: 30.08.2010
Redaktion DD-INside.com


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