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Badegäste weichen an unbewachte Seen aus

Sachsens Schwimmmeister halten Einsparungen bei kommunalen Schwimmbädern im Freistaat für riskant. Thomas Podeyn vom Vorstand des Landesverbandes Sachsen des Bundesverbandes Deutscher Schwimmmeister sagte in Leipzig, viele Bäder stünden «auf der Streichliste» der Kommunen, würden geschlossen oder verkleinert. Investitionen in Bäder würden zurückgefahren.

Leipzig . Sachsens Schwimmmeister halten Einsparungen bei kommunalen Schwimmbädern im Freistaat für riskant. Thomas Podeyn vom Vorstand des Landesverbandes Sachsen des Bundesverbandes Deutscher Schwimmmeister sagte in Leipzig, viele Bäder stünden «auf der Streichliste» der Kommunen, würden geschlossen oder verkleinert. Investitionen in Bäder würden zurückgefahren. Eine Folge dieser Entwicklung sei, dass die Badegäste immer häufiger an Seen und Flüsse auswichen, um schwimmen zu gehen. Dies wiederum bedeute eine erhöhte Gefahr für die Gäste, die an unbewachten Stränden baden gingen.

Gleichzeitig lernten immer weniger Kinder schwimmen, erklärte Podeyn. Statistiken darüber gebe es allerdings bisher nicht. Auch der Schwimmunterricht in der Schule werde zusammengestrichen, da es an Schwimmflächen und Schwimmlehrern fehle. «Es müsste mehr Wasserflächen geben, damit jedes Kind das Schwimmen erlernen kann», sagte er.

Ein Sprecher der Sportbäder Leipzig GmbH nannte neben den kommunalen Sparzwängen die Flutung von Tagebaurestlöchern sowie die demografische Entwicklung als Ursachen für diesen Trend. Freibäder seien nicht zuletzt auch wegen des Aufsichtspersonals teuer. Je kleiner ein Bad sei, desto geringer seien die Kosten.

Nach Schätzungen des Vorsitzenden des Leipziger Schwimmsportverbandes, Holger Maiwald, können mindestens zehn Prozent der Bevölkerung Sachsens nicht schwimmen. Das gelte vor allem für ältere Menschen. Aber auch immer mehr Kinder in Sachsen lernten das Schwimmen nicht. «Das ist eine klar erkennbare Tendenz», erklärte er. Eltern scheuten zunehmend wegen der Fahrtkosten auch längere Wege zu Schwimmkursen ihrer Kinder in weiter entfernte Schwimmhallen oder Freibäder.

Eine Gefahr vor allem für Kinder sind auch nach Maiwalds Ansicht die unbewachten Baggerseen oder gefluteten Tagebaurestlöcher. «Da passieren laufend Unfälle», sagte er. Das Ertrinken ist nach den Worten Podeyns bei Kindern nach wie vor die dritthäufigste Todesursache. «Wir brauchen Schwimmbäder, Fachpersonal und Vereine», forderte Podeyn, der in dem Verband für Jugend und Sport zuständig ist und zugleich ein Leipziger Freibad leitet.

Die Sprecherin des Landesverbandes Sachsen des Deutschen Roten Kreuzes, Sina Stelzig, warnte Eltern davor, ihre Kinder beim Baden unbeaufsichtigt zu lassen und sich auf Schwimmhilfen zu verlassen. Die Zahl der Rettungsschwimmer-Einsätze des DRK sei in der vergangenen Zeit allerdings zurückgegangen. «Es wird mehr nach links und rechts geschaut, wie es dem Nachbarn geht», sagte sie. Die Bevölkerung sei für die Gefahren, die mit dem Baden verbunden seien, besser sensibilisiert als früher.

«Bäderschließungen sind nicht das Nonplusultra, um einen städtischen Haushalt zu sanieren», kritisierte Podeyn, der auch in der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) engagiert ist. Der Organisation fehlten ehrenamtliche Rettungsschwimmer, sagte er. «Wir könnten Nachwuchs gebrauchen.»



ddp - Bild © ddp

geschrieben am: 29.06.2010
Redaktion DD-INside.com


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