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Der Clown muss nicht immer zum Lachen sein

Die roten Nasen prangen prominent in den Gesichtern und verraten sofort die Tätigkeit ihrer Träger: Unzweifelhaft sind da eine Clownin und ein Clown bei der Arbeit. Doch das Betätigungsfeld von Karina Esche alias Flotti Lotti und Björn Müller, der als Macchiato auftritt, ist nicht das Zirkuszelt oder die Bühne.

Leipzig . Die roten Nasen prangen prominent in den Gesichtern und verraten sofort die Tätigkeit ihrer Träger: Unzweifelhaft sind da eine Clownin und ein Clown bei der Arbeit. Doch das Betätigungsfeld von Karina Esche alias Flotti Lotti und Björn Müller, der als Macchiato auftritt, ist nicht das Zirkuszelt oder die Bühne. Vielmehr sind die beiden Mitglieder des Leipziger Vereins Clownsnasen in Kliniken und Pflegeeinrichtungen unterwegs und versuchen, kleinen und großen Patienten Zuwendung zu geben, ihnen Linderung zu verschaffen, sie zumindest für eine gewisse Zeit aus dem Klinik- oder Pflegealltag zu entführen.

Auch wenn sie in ihren Verkleidungen lustig aussehen: «Der Clown muss nicht immer zum Lachen sein», sagt Karina Esche. Die 47-Jährige ist eine von momentan sechs Clowns in dem Leipziger Verein, der als einziger in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen Mitglied im «Dachverband der Clowns für Kinder im Krankenhaus» ist. Ursprünglich hat die gebürtige Wilsdrufferin Gesang studiert und war zehn Jahre lang an Theatern engagiert, zuletzt in Annaberg-Buchholz.

Mit ihrem Mann kam sie dann nach Leipzig, wo 2001 das jüngste ihrer drei Kinder geboren wurde. «Da habe ich mir eine dreijährige Auszeit genommen, in deren Verlauf ich auf die Gruppe -Die Leipziger Klinikclowns- traf», erinnert sie sich. Nach einem Probetraining attestierten ihr ihre komödiantischen Kollegen Talent für die Tätigkeit als Klinikclown.

«Aber als ich das erste Mal auf der Kinderkrebsstation in der Leipziger Uniklinik den Klinikclowns zunächst einmal zuschaute, rannte ich nach zehn Minuten raus», gibt sie unumwunden zu. Erst in dem Moment, als sie selbst im Kostüm den kleinen Patienten gegenübertrat, konnte sie sich davon lösen, mit welchen Schicksalen sie konfrontiert war. «Der Clown hat das große Privileg, dass er ein Neutrum ist, nicht zum Klinikpersonal gehört und auch kein Angehöriger ist.» So könne er frei auf die Patienten zugehen, sie dort abholen, wo sie sich befinden, den Raum für Fantasie öffnen.

Ein festes Programm spulen die Clowns, die stets zu zweit in die Einrichtungen gehen, nicht ab. «Man muss sich auf die Situation einstellen, die man vorfindet», erzählt Esche. Deshalb sei es bei den Clownsnasen auch üblich, dass eine Clownin und ein Clown zusammen losgehen. «Da kann sich unter Umständen der Mann besser auf Jungen einstellen und dafür sorgen, dass Spannungen abgebaut werden.»

Doch trotz aller Versuche, die Situation spontan zu erfassen und auf die Patienten und deren Bedürfnisse einzugehen, gibt es auch Zurückweisung. «Wenn uns Kinder aus dem Zimmer schicken, weil sie in dem Moment gerade nichts mit uns anfangen können, dann akzeptieren wir das natürlich», sagt Esche.

Zu den wichtigsten Eigenschaften, die man als Clownin oder Clown mitbringen müsse, gehöre die Achtung vor den Menschen, mit denen man es zu tun habe. «Wir sind keine plumpen Spaßmacher, die von oben herab agieren, weder bei Kindern noch bei älteren Menschen», erzählt Müller.

Für die sind die Clownsnasen permanent unterwegs: Sie gehen in die Leipziger Uniklinik ebenso wie in das Universitätsklinikum Halle, sind in Erfurt und Merseburg unterwegs zu kleinen Patienten sowie in Altersheimen in Borna, Halle und Leipzig regelmäßige Gäste. «Der große Vorteil, den die Clowns haben: Ihnen können die Patienten sagen, was sie anderen nicht sagen mögen», unterstreicht Esche. So sind die Clowns unter Umständen auch Vermittler zwischen den Patienten und dem Personal oder auch Angehörigen.

Das schließt auch den Tod mit ein: «Ein krebskrankes Kind weiß oft schon sehr lange, dass es sterben muss.» Und da müsse der Clown auch einmal mit dem Kind oder den Eltern weinen. Karina Esche hat als Clownin ihre Rolle im Leben gefunden: «Ich will nie wieder tauschen!»



ddp - Bild © ddp

geschrieben am: 21.08.2010
Redaktion DD-INside.com


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