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Röyksopp

Röyksopp

Die perfektionistische Eentdeckungslust von Röyksopp

Im Vorfeld der Veröffentlichung des neuen Röyksopp-Albums „Junior“ kursieren
seltsame Bilder durch die Medienlandschaft. Das Elektropop-Paar aus dem norwegischen Bergen, bestehend aus Svein Berge und Torbjørn Brundtland, trägt hoch aufragende Spitzhüte, bläst Luftschlangen zu Spiralen und hüllt sich in knallbunte oder komische rote Gewänder mit großen, weißen Punkten. Das wirft unweigerlich Fragen auf.

Ja ist denn schon wieder Maskenball? Hat sich etwa der elektrifizierte Klang der beiden auch verkleidet? Für DD-Inside suchte Franz X.A. Zipperer nach Antworten. Und die plätschern aus den Mündern beiden Masterminds nur so heraus.

 

 

Franz X.A. Zipperer (fxaz): „Zuerst will ich nicht über Röyksopp reden, sondern über die Gastsängerinnen. Deren Liste liest sich wie das Who Is Who der derzeitigen nordischen Gesangsgöttinnen: Robyn, Lykke Li, The Knife`s Karin Dreijer Andersson sowie Schauspielerin
und Sängerin von Bel Canto, Anneli Drecker.“


Svein Berge (sb): „Genau damit redest du schon über Röyksopp. Unsere Musik ist einzigartig. Immer. Das macht Röyksopp aus. Also haben wir gar keine andere Wahl, als die  Gesangsparts mit ebenso interessanten und frisch klingenden Leuten zu besetzen. Und sie müssen im jeweiligen Song wie genau für ihn gemacht klingen. Diese Stimmen müssen wir nicht weltweit suchen. In Skandinavien finden wir derzeit genügend davon. So kam für das Stück “Miss It So Much” nur Lykke Li in Frage. Mit ihrer empfindsamen, mädchenhaften flüsternden und doch so geheimnisvollen Stimme, ...“


Torbjørn Brundtland (tb): „ ... diese ach so naive Herangehensweise faszinierte uns sofort. Es ist die Art von Stimme, von der du möchtest, dass sie dir beim morgendlichen Aufwachen ins Ohr säuselt. Wenn es aber um eine gewisse Wildheit geht, die von „Tricky Tricky“ und „This Must Be It“ eindeutig gefordert wird, dann braucht es eine Stimme, wie sie nur Karin Dreijer Andersson hat.“


fxaz: „Euch wurden im Laufe der Zeit so viele Stempel aufgedrückt: Chillout-Band, Tanzflächenfüller oder Downtempo-Truppe, um nur drei zu nennen. Wo ordnet ihr euch selber ein?“


tb: “Wir wundern uns auch über diese Kategorisierungen. Ich packe uns nirgendwo hin. Dafür gibt es doch Musikjournalisten. Oder? Als Tanzinitiatoren sehen sehe ich uns gleich gar nicht. Oder würdest du beispielsweise zum Lied „Röyksopp Forever“ auf die Tanzfläche stürmen und deine Hüften schwingen? Das sollte dir auch schwer fallen, es sei denn, du verfügst sehr spezielle und ausgefeilte Tanztechniken.“


fxaz: „Eure Stücke klingen immer, als seien sie das Ergebnis puren Perfektionismus?“
sb: „Wenn wir arbeiten, dann extrem hart. Wenn wir so richtig zu Hochform aufgelaufen sind, dann sind wir absolute Perfektionisten. Wir widmen uns dann voller Hingabe
jedem noch so kleinen Detail der Musik ...“


tb
: „ ... du solltest das nicht Perfektionismus nennen, das grenzt eher an Autismus. Diesen Prozess der Hingabe, den können wir nämlich nicht mehr kontrollieren, sie bricht sich einfach Bahn.“

fxaz: „Könnt ihr solch einen Stückeentstehungsprozess ein wenig beleuchten?“


tb: „Wir sitzen Seite an Seite hinter unseren Keyboardtürmen, vor uns die Computer. Dabei schauen wir gelangweilt aus dem Fenster. Quatsch. Oft beginnt ein Stück mit einem Geklimper. Einer Improvisation. Der andere antwortet und so entspinnt sich langsam ein Liedgebilde. Oder wir stellen beim Plaudern fest, dass es doch toll wäre, ein Stück über einen Roboter und ein Mädchen zu machen. Die ersten Worte sind da. Und schon entwickelt sich ein weiteres Stück.“


fxaz: „Nachdem ihr nun mit „Junior“ eine eher stürmische und drängende Produktion vorgelegt habt, wird es einen altersweisen Nachfolger etwa mit dem Namen „Senior“ geben?“
sb: „Das soll wohl so sein. Ja. „Junior“ drückt die vorwärts stürmende, jugendliche Energie aus. Oft ohne nachzudenken. Das Album ist voller Optimismus, wenn auch nicht ganz frei von dunkeln Zweifeln. Aber ist nicht genau dieser Zwiespalt ein Kennzeichen von Jugend? Aber älter wirst du, ob du willst oder nicht. In dieser Dualität von Jugend und Alter fällt auch das Streben nach Langlebigkeit unserer Musik.“


tb
: “Wir reflektieren auch in der Fortsetzung Richtung „Senior“ lediglich uns selbst. Wir haben uns bereits als Jugendliche manchmal verflixt alt gefühlt. Und gleichzeitig haben wir am Peter Pan Komplex gelitten. Wir wollten nicht alt werden. „Senior“ beschäftigt sich mit Energie, die nach innen gewandt ist. mit einer gewissen Ruhe. Wenn „Junior“ in Sneakers und abgerissenem T-Shirt daher kommt, trägt „Senoir“ einen Tweed-Jancker und raucht Pfeife.“


fxaz: „Wann wird „Senior“ in den Läden stehen?


sb
: „Wir wollen es noch in diesem Jahr veröffentlichen. Wir haben beide Alben gleichzeitig aufgenommen. Im Moment legen da letzte Hand an. Je nachdem wie viel wir in den nächsten Monaten touren, sollte „Senior“ im späten Herbst oder im Winter kommen. Alles in allem kommt die neue Röyksopp-Platte in manchen Ausformungen einem elektronischen Happy- Sound sehr nahe. Einem Klang ohne Tiefgang. Dennoch sind die Stücke geprägt von jugendlichem Leichtsinn und kindlicher Endeckungslust. Aus diesem Spagat bezieht das Album „Junior“ seine Spannung.


Text: Franz X.A. Zipperer

 

 

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