Tube & Berger „Es wird Champagner regen und die Mädchen werden nackt sein“

Tube & Berger „Es wird Champagner regen und die Mädchen werden nackt sein“
Tube & Berger – vielleicht nicht unbedingt jedem ein Begriff. Dabei sind die beiden Solinger Elektromusikanten nicht erst seit gestern mit dem Musikmachen beschäftigt. Sie haben internationale Erfolge in Großbritannien vorzuweisen, touren munter durch die Weltgeschichte, haben mit 2raumwohnung, Tocadisco oder Afrika Islam zusammengearbeitet und sind mittlerweile ein weltweit gefragtes Produzententeam. Höchste Zeit also, sich mit den Jungs mal etwas näher zu beschäftigen.
Ein Blick ins Geschichtsbuch: Wie kam es zur Gründung von Tube & Berger?
Da wir quasi zusammen Musik machen, seit wir uns kennen, war es kein Wunder, dass wir in den 1990ern irgendwann bei elektronischer Musik gelandet sind. Anfangs haben wir zusammen in einer Punkrock Band gespielt, später dann Websites vertont und ein wenig für Werbeagenturen gearbeitet, um uns über Wasser zu halten. Der Durchbruch kam für uns dann mit unserer ersten Single „straight ahead“.
Ihr bezeichnet eure Musik als „BoogieHouseElektroPunk“. Was steckt dahinter?
Na ja, so haben wir unsere Musik mal genannt. Mittlerweile müsste man
eine andere Bezeichnung finden. Vielleicht einen Begriff wie „Maximalminimal“? Wir wollen uns da in keine Schublade stecken lassen. Wir spielen was uns gefällt, egal ob wir uns oder andere produzieren.
Ihr habt 2004 Kittball Records gegründet. Was muss eurer Meinung heute ein Künstler mitbringen, um erfolgreich zu sein?
Man sollte ziemlich wahnsinnig sein. Außerdem wird kontinuierliches abliefern von Qualität, in Form von Tracks, durchaus bei der Außenwelt zur Kenntnis genommen. Dann braucht man, neben dem richtigen Team wie zum Beispiel Booker, Management und so weiter, auch immer etwas Glück. Wir denken, dass wir zusammen mit unseren Künstlern Ante Perry, Push Push, Juliet Sikora, Kean Sanders, Afrocut und den anderen, ein ziemlich abgefahrenes Team darstellen. Ein guter Nachwuchskünstler darf auf jeden Fall nicht zu schnell schlapp machen, wenn man zum Beispiel nach zehn Stunden Party in Moskau direkt in den Flieger steigen muss, um pünktlich auf der Love Parade zu spielen. Die wichtigste Voraussetzung ist also, mit wenig Schlaf auszukommen.
Ihr werdet zunehmend als Remixer engagiert und angefragt. Was macht den
besonderen Reiz des remixens eurer Meinung nach aus?
Das sind mehrere Aspekte. Man macht ja in erster Linie eine eigene Version von einem fremden Track. Wir mögen es, nicht unbedingt jede Audiospur zu
verwenden. Am besten ist es, wenn uns das Hauptthema gefällt und wir es mit unserem Stil verbinden können. Manchmal hat man leider das Gefühl: „Ich muss hier aus Scheiße Gold machen“, oder auch: „ Wie zum Teufel soll ich dieses Brett jetzt noch toppen?“ Da muss man dann einen Remix auch mal ablehnen.
Was zeichnet einen guten Remix aus?
Schwierige Frage. Ein Remix, bzw. Clubmix, sollte auf jeden Fall tanzbar sein. Das ist wichtig. Und er sollte irgendwie Sinn machen. Ansonsten benutzt man dann nämlich nur die Skiptaste (lachen).
Ist euch das auch bei eurem Remix des legendären Songs „Drei Tage wach“ von Tobias Lützenkirchen gelungen?
Das kann man wohl sagen. Viele Lobeshymnen fanden den Weg in unseren elektronischen Posteingang. Wir denken schon, dass der Mix gut war, weil wir ihn ständig überall hören mussten. Das Thema ist aber eine klare Ausnahme und es liegt natürlich am riesigen Hype des Songs an sich, dass unser Remix so gut ankam.
Schon im letzten Jahr sollte euer erstes Album erscheinen. Was machen die
Pläne?
Ach ja, da war doch noch etwas – das Album. Im Endeffekt liegt bei uns Material für zwei Alben herum. Aber da wir eine Menge andere Künstler produzieren, viel herumreisen und irgendwie zu oft remixen, bleibt irgendwie so wenig Zeit, um ein Album ernsthaft anzugehen. Außerdem gibt es ja auch Dinge wie Urlaub, Freunde, Girls, Sport, Online-Poker und vor allem Bettruhe. Da kann ein Album, welches sich dann eh jeder umsonst downloadet, schon mal zu kurz kommen. Wir wollen auch nicht nur irgendein Album machen!
Was sind eure inspirativen Momente? Wann und wie entstehen eure
Produktionen?
Manchmal haben wir einfach einen sehr guten Flow und ein Track ist nach ein
paar Stunden fertig. Leider kann man das nicht steuern. Und so kommt es auch schon mal vor, dass wir nach vielen Stunden im Studio immer noch
unzufrieden sind und das Ergebnis wieder verwerfen.
Ihr bewegt euch mit eurer Musik grob gesagt eher im „Bereich des Tanzbaren“.
Wie denkt Ihr über Künstler, die z. B. vor allem politisch motivierte Musik
machen?
Darüber könnte man jetzt sicher stundenlang reden. Politisch motivierte Musik ist sicher wichtig, kann aber auch nerven und sogar gefährlich sein. Je nachdem, welche Lobby sich dahinter versteckt. Musik kann eine Plattform bieten, um Gedanken und Gefühle einer großen Masse zugänglich zu machen. Somit haben die Bosse dieser Welt nicht die absolute Macht, um uns über Fernsehkanäle und Ähnliches zu lenken und zu beeinflussen. Wir finden es manchmal beängstigend, wie schnell die öffentliche Meinung zur persönlichen Meinung werden kann. Wir selbst haben allerdings selten politische Motivationen für unsere Songs. Der Song „Fuck the World“, den wir mit Ferris MC gemacht haben, ist jedoch durchaus politisch zu verstehen. Wir Menschen sind manchmal ziemlich fieses Ungeziefer und nicht im Einklang mit unserer Welt. Das wollten wir nochmal bekunden. Wir sind uns sicher, dass dieser tiefgehende, intelligente Song, die Menschen zum Nachdenken anregt.
Jeder sollte im August zu eurer Show kommen, denn …
… man sollte die Strombergs der elektronischen Tanzmusik nicht verpassen! Es wird Champagner regnen und die Mädchen werden nackt sein! Falls das nicht passiert, haben wir noch ein paar schöne Tracks dabei. Man munkelt ja, es geht ganz gut ab bei euch. Wir haben auf jeden Fall Bock!
Text & Gespräch: Friedemann Schreiter








