INTERVIEWS

Söhne Mannheims „Der Mensch ist unser Thema“

 

Auch in diesem Jahr finden sie sich wieder zusammen, um gemeinsam die musikalischen Sommerwochen zu verbringen – die Söhne Mannheims. Das aus 14 Musikern bestehende Künstlerkollektiv, dessen bekanntestes Mitglied wohl Xavier Naidoo ist, wird im Juli auch in Dresden halt machen.

Die Söhne Michael „Kosho“ Koschorreck (Gitarre), Andreas Bayless (Gitarre) und Bernd Hermann (Schlagzeug) über den Touralltag, Esoteriker und Helge Schneider.

 

Der musikalische Sommer steht an. Wie groß ist bei Euch die Vorfreude?

Bernd: Wir freuen uns riesig, denn die letzte Tour, die wir gespielt haben, ist schon ein gutes Jahr her. Und jetzt wieder mit den ganzen Söhnen unterwegs zu sein – darauf freuen wir uns alle sehr.

 

Ihr besteht als Band im Moment aus 14 Musikern. Wie ist das, wenn die Söhne auf Tour sind?

Bernd: Das kommt immer ganz darauf an, wie lange wir unterwegs sind (lacht). In den ersten Tagen ist schon immer eine Menge vor und nach den Konzerten los. Da muss das ganze Adrenalin einfach abgebaut werden.

 

Wie sieht das aus?

Bernd: Man trinkt hier ein Bier, da ein Bier, wir jammen gemeinsam in der Nacht, schauen Filme oder diskutieren. Gegen Ende der Tour wird das dann alles immer etwas ruhiger.

 

Sind diese Momente während der Tour auch jene, in denen neue Songs entstehen?

Kosho: Es ist nicht einfach, mit 14 Leuten gemeinsam kreativ zu sein, ohne das es völlig durcheinander geht. Andererseits kennen wir uns auch schon lange und spielen in der Besetzung fast zehn Jahre zusammen. Wir probieren auf Konzerten auch immer wieder neue Sachen aus, jammen gemeinsam mit dem Publikum oder mit Gästen, die wir spontan einladen. Also entstehen durchaus auch in diesen Momenten auf Tour Ideen für neue Songs.


Andreas:
Ich würde sagen, es ist eher ein Vorteil mit 14 Leuten Musik zu machen. Irgendjemandem fällt immer etwas ein. Wir haben aber auch einen künstlerischen Kopf, Michael Herberger, der unser Produzent und musikalischer Direktor ist. Er weiß, wann etwas gut ist und wann nicht.

 

Wie bereitet man sich mit so vielen Musikern eigentlich auf eine Tour vor?

Andreas: Wir stellen uns in einen Kreis und beten. Damit ist die Vorbereitung erledigt (lachen). Im Ernst, wir sind keine probeintensive Band. Vieles läuft bei uns wie von selbst.


Bernd:
Wir sind ja alle auch nicht mehr 15 Jahre alt und spielen seit gestern in einer Band zusammen. Bei uns weiß schon jeder was er zu spielen hat und wann er vorbereitet sein muss. Es gibt ein Grundgerüst, auf das wir aufbauen. Das macht auch jedes Konzert immer wieder spannend, da nicht alles von hinten bis vorne durchgeplant ist.

 

Ihr habt viele der Songs vom kommenden Album bereits auf der letzten Clubtournee gespielt. Wolltet ihr sie schon mal testen?

Kosho: Ja so war es. Wir haben die Songs für das kommende Album mit auf Tour genommen und sie dort teilweise das erste Mal vor Publikum gespielt und geprobt. Das war ein sehr schöner Rhythmus: Zwei Tage proben – einen neuen Song präsentieren.

 

Wie haben die Leute reagiert?

Bernd: Das Publikum hat sehr positiv reagiert. Teilweise war es so, dass die Leute schon die Texte der neuen Songs mitsingen konnten. Wir haben parallel zu den Auftritten immer Aufnahmen der Konzerte ins Internet gestellt. Ich denke, dass hat ziemlich schnell die Runde gemacht.

Andreas: Es war toll und spannend die Songs noch mit allen Ecken und Kanten zu spielen. Vieles war improvisiert, einiges ging auch schief. Manchmal wussten wir auch nicht, wie wir ein Stück beenden sollen. Das hat den Reiz dieser neuen Stücke ausgemacht. Das Rohe, Unperfekte, Raue.

 

Was erwartet den Hörer auf dem kommenden Album „IZ ON“?

Kosho: Die Stücke werden zum Teil mehr in die Extreme gehen. Es wird sehr rockig sein und neue Kombinationen aus verschiedenen Stilrichtungen geben. Wir haben viele Elektrosounds verwendet, mit vielen verschiedenen Gitarren gearbeitet und mit Effekten und Stimmungen experimentiert. Manche Stücke sind cineastische Klanglandschaften, andere wiederum stehen für klare, unverwechselbare Melodien. Es sind sehr intime Stücke auf der Scheibe und Songs mit eher sozialkritischem Hintergrund.

 

Gibt es einen konkreten Anlass für sozialkritische Töne und Texte?

Kosho: Vielleicht Georg W. Bush. Er ist ja nur Stellvertreter für eine Gruppe von Leuten, die versuchen, die Geschicke der Welt in einer gewissen Art zu lenken, die allzu oft die Menschenrechte missachtet. Und das ist der Ausgangspunkt. Der Mensch in einer solchen Gesellschaft. Der Mensch als arbeitendes, glaubendes und liebendes Wesen – das ist immer wieder unser Thema.

 

Oft werdet Ihr in Verbindung mit religiösen Themen gebracht. Was bedeutet Religion für Euch?

Andreas: Vielleicht ist es eher das Tiefgründige, was uns Söhne Mannheims verbindet. Bei den Söhnen haben wir Katholiken, Evangelen, Rastafaris, Freireligiöse, Esoteriker oder Leute, die sich mit Buddhismus beschäftigen. Wir sprechen einfach viel darüber, wie wir, jeder für sich, die Welt sehen.

 

Gibt’s momentan deutsche Künstler, die Ihr sehr schätzt?

Kosho: Ich persönlich finde Clueso sehr gut. Vorhin habe ich mir auch Helge Schneider auf Youtube angesehen. Der ist einfach genial. Ein großartiger Musiker und Universalkünstler.


Andreas:
Mir gefällt im Moment vor allem Nneka. Ich glaube, dass ist auch eine deutsche Produktion. Ihr Sound ist w­­­­­­irklich sehr frisch.


Bernd:
Es gibt so viele tolle Künstler. Spontan fallen mir Anajo ein. Die machen so tolle Texte, die sogar Kinder hören und verstehen können.

 

Vielen Dank für das Gespräch und viel Spaß auf den kommenden Konzerten.

 

Söhne Mannheims, 26. Juli 2008, Filmnächte am Elbufer, www.soehne-mannheims.de


Interview: Friedemann Schreiter

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