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Interview - Wir sind Helden

 

 

Die Band, die sich im Herbst 2006 zurückzog, um Windelwechseln zu lernen, kindgerechte Busse zu entwerfen und ganz nebenbei ihr drittes Album „Soundso” aufnahm, steht nun eineinhalb Jahre später wieder voll im Saft! Nach der VÖ ihrer letzten Scheibe im letzten Sommer, haben sie gerade ihre Tour erfolgreich absolviert und stehen keineswegs still. Auch diesen Sommer sind die Helden auf unzähligen Festivals zu erleben und stellen außerdem gerade ihr jüngst veröffentlichtes Buch “Informationen zu Touren und anderen Einzelteilen” mit Lesungen & Unplugged Konzerten vor. Sicher etwas ungewöhnlich für eine Rockband, aber so kennt man sie nun mal, stets mit Extravaganzen und bittersüßen Wahrheiten im Gepäck. Das Buch basiert auf einem von der Band geführten Tour-Tagebuch und wurde noch um diverse Feinheiten und Details ergänzt. Höhen, Tiefen, absurde Angebote, Konsumkritik und Glücksforschung sind Themen, die heldenhaft beschrieben werden. Erschienen ist das Werk nicht nur als Buch sondern auch als Hörbuch beim Fischer Verlag. Lest oder hört einfach mal rein. Im Juni spielen Wir sind Helden auch in unserer Ecke, am 18. Juni auf der Campus Party in Dresden und am 28. Juni zum Campus Festival „Gesicht zeigen” in Cottbus.

 

 

Insomnia Redakteurin Caroline sprach mit dem Wir sind Helden- Bassisten Mark Tavassol über dies und das und jenes. Hier das Interview:

 

Wir sind HeldenWie ist denn die heutige Version zu eurer Namensentstehung? Wieso seid ihr Helden?


Von damals zu heute hat sich eigentlich nichts geändert. Unser Anliegen war und ist es, diesen Heldenbegriff wohl eher ironisch zu betrachten. Heutzutage muss man mit diesem Wort „Held” wirklich vorsichtig sein. Es gibt viele falsche Vorbilder, welche als Helden betrachtet werden und deshalb dachten wir uns, dass jeder sozusagen ein Held ist, also auch wir.

 

 

Wer sind für euch Helden oder Menschen, die euch beeindrucken?


Ich würde mit dem Heldenbegriff behutsam umgehen, ich spreche lieber von Vorbildern. Für mich müssen diese Vorbilder greifbar sein, so wie beispielsweise Freunde oder die Familie. Es geht darum, sich von verschiedenen Lebensweisen etwas abzugucken, insbesondere Dinge, die einen beeindruckt haben. Und sich von den verschiedenen Charakteren besondere Eigenschaften zum Vorbild zu nehmen.

 

 

Obwohl die Männer in der Mehrzahl sind, kann man da trotzdem behaupten, dass eure Frontfrau euer wichtigster Kopf ist?


Also bei uns ist jeder gleichberechtigt, obwohl viele denken, dass Judith unser Chef ist. Unsere Einstellung und Akzeptanz zueinander lässt niemanden allein in den Vordergrund rücken. Unglücklicherweise verbindet jeder mit der Position des Sängers sofort die Anführerrolle, so ist es uns beispielsweise passiert, dass kurz vor einem Auftritt der Techniker stur an uns allen vorbei rannte und zu Judith stürmte, um ihr den kompletten technischen Aufbau zu erklären. Judith ist da allerdings nicht der perfekte Ansprechpartner. Jeder von uns hat so seine Aufgabenbereiche und Interessensgebiete, dennoch sind wir alle gleichberechtigt und arbeiten immer zusammen.

 

Ihr befindet euch ja derzeit auf Tour. Wie gestaltet sich das Tourleben mit Kind und Kegel?


Es ist inzwischen so, dass insbesondere die Räumlichkeiten für den Kleinen ausgerichtet wurden. Im Bus gibt es einen extra Bereich mit Babykram und Kommode für Friedrich. Auch im Backstage-Bereich haben wir immer einen großen Raum mit Spielsachen und dem wichtigsten Zeug. Außerdem begleitet uns immer eine enge Freundin von Judith, welche dann auf das Kind während der Konzerte aufpasst. Natürlich haben wir nicht immer durchgehend Zeit, aber wir legen alles so aus, das genügend Zeit bleibt. Außerdem ist es besonders für die Eltern sehr schön immer mit ihrem Kind zusammen zu sein. Wobei ich sagen muss, dass die Tour mit Kind auf jeden Fall schöner ist, da er immer lacht. Mir kommt es auch so vor, als würde er jeden Tag viele neue Dinge lernen, die ihn beeindrucken. Es ist schön ihn aufwachsen zu sehen.

 

Was war bislang euer schlimmstes oder schrägstes Tourerlebnis?


Na ja vor wirklichen schlimmen Dingen sind wir zum Glück noch verschont geblieben. Es gibt verschiedene Situationen in denen man mal verzweifeln kann, z.B. wenn der Bühnensound Mist ist, da die Boxen so laut sind, dass man danach denkt man hätte einen Gehörsturz. Ziemlich verrückt war mal eine Geschichte, als unser Tourbus in einer Mulde hängen geblieben ist. Und um diesen aus dem Schlammloch wieder raus zu holen, wurde ein riesiger Transportkran angekarrt. Doch das klappte auch nicht und so kam ein größerer Transporter und wir standen wie hypnotisiert vor diesen riesigen Maschinen, ähnlich wie Kinder.

 

Wie entstehen denn eure ausgefallenen Videos und die Ideen dazu?



Das ist immer videoabhängig. Das wechselt ständig, kommt halt drauf an, wer gerade eine kreative Idee hat. Meistens läuft es so ab, dass wir in enger Kooperation mit unserer Produktionsfirma stehen. Dann setzen wir uns alle zusammen und tauschen unsere Ideen in einem Brainstorming aus und die Resultate kennt man ja.

 

 

Was war das wohl schönste Kompliment was ihr je bekommen habt als Band? Seid ihr da mittlerweile vor lauter Stress eher unerreichbar?


Wir bekommen viele schöne Komplimente, wobei ich sagen muss, dass wir nicht unerreichbar sind. Alle E- Mails beantworten und lesen wir selbst, weil wir viel Wert auf die Meinung der Fans legen. Es gibt auch Ausnahmesituationen, wie beispielsweise nach der Veröffentlichung eines neuen Albums. In dieser Zeit bekommt besonders Judith viele Mails und wenn sie es dann einfach zeitlich nicht mehr schafft, unterstützen sie ihre Freunde, jedoch machen diese Freunde niemandem etwas vor und schreiben immer dazu, dass jemand anders antwortet. Für uns ist es etwas ganz Besonderes, wenn man gesagt oder geschrieben bekommt, dass unsere Musik jemanden aus einer schweren Situation geholfen hat und diese bei so vielen Menschen verschiedene Emotionen hervorruft. Es ist toll zu wissen, dass wir mit unserer Musik verschiedene Leute erreichen, die letztendlich genauso fühlen und denken wie wir.

 

Ihr habt ja bereits viele ausgefallene Auftritte hingelegt (z.B. von hier an Blind, ähnlich Comichelden). Was würde euch da noch mal so richtig reizen?


Wir agieren nicht nach dem Ziel: Größer, Besser, Schöner. Uns ist es wichtig gutes Equipment zu haben. Aber für uns zählen mehr die Dinge, wie unsere Freundschaft und das wir noch lange Zeit in diesem tollen Beruf arbeiten können, d.h. noch viele kreative Ideen haben und wir verschiedene Möglichkeiten besitzen diese zu verwirklichen.

 

 

Wie seid ihr denn schließlich in die Musiker-Schiene rein geschlittert?


Jeder von uns ist auf unterschiedlichem Wege dazu gekommen. Ich habe damals mit klassischer Musik begonnen. Alle von uns außer Judith haben sich von Band zu Band gespielt, bis es dann irgendwann gefunkt hat. Mir ist es wichtig einen emotionalen Bezug zur Musik zu haben. Man muss das wirklich gerne machen was man tut und dazu stehen.

 

 

Welchen Einfluss soll denn eure Musik nehmen? Was ist eure Message?


Wir verbürgen in unseren Liedern keine Hauptmessage. Es sind viele Dinge, die wir ansprechen wollen. Zum einem handelt es sich um private Angelegenheiten und zum anderen um gesellschaftliche Probleme. Unsere Musik ist im Allgemeinen sehr abstrakt. Judith schreibt viele unserer Texte, welche sie mit persönlichen Erfahrungen verbindet. Jeder nimmt diese Text anders wahr, jedoch sprechen alle Themen jeden Einzelnen von uns an.

 

Steht denn schon ein neues Album in den Startlöchern?


Also wir sind immer am schreiben und tüfteln. Bei uns erstreckt sich dieser Prozess eines neuen Albums über einen langen Zeitraum. Wir brauchen die Zeit, als auch die Ideen und können uns nicht mit diesen Schnellproduktionen anfreunden. Seid gespannt was euch als nächstes erwartet.

 

Herzlichen Dank für das nette Interview.

 

Mehr Informationen und Einzelteile findet ihr auf der Homepage www.wirsindhelden.de

 

28.06. - Cottbus, Gesicht zeigen!
29.06. - Eupen, Musikmarathon
11.07. - München, Tollwood Festival
12.07. - Freiburg, Zeltmusikfestival
18.07. - Bocholt Open Air
01.08. - G`münd, Palaverama
02.08. - Lustenau, Szene Open Air
09.08. - Bildein, Picture On
10.08. - Zofingen, Heitere Open Air
22.08. - Schwäbisch Hall, Rock for Nature
23.08. - Bonn, Museumsmeile
29.08. - St. Peter Ording, Kite Surf Trophy

 

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