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Bushido: „Man sollte das alles nicht so ernst nehmen“

Anis Ferchichi hat für einen ehemaligen Kleinkriminellen viel erreicht. Als Bushido, was soviel heißt wie „Weg des Kriegers“, ist der gebürtige Bonner zum erfolgreichsten wie umstrittendsten Rapper des Landes geworden. Niemand Geringeres als Bernd Eichinger hat sich nun entschlossen, die Biographie des 31-Jährigen zu verfilmen. Die Hauptrolle in „Zeiten ändern Dich“ (Start: 4. Februar) spielt natürlich Bushido selbst.

Bushido, der Film wurde der Presse vorab nicht gezeigt. Habt ihr Angst vor einem Flop, falls es frühzeitig schlechte Kritiken gibt?

Bushido:Mein Ziel mit dem Film war, dass er in die Kinos kommt. Und dass die Leute einen unvoreingenommen Blick auf den Film haben. Es ist so: Du musst ins Kino gehen, dir den Film anschauen, und dann können wir noch mal reden.Wirtschaftlicher Erfolg und Zuschauerzahlen? Das kommt oder es kommt nicht..

Du bist kein gelernter Schauspieler. Bei wem hast du Anschauungsunterricht genommen?


Bushido: Bei niemandem. Zumal ich auch das Glück hatte, sozusagen nur mich selber zu spielen. Das war jetzt keine extrem schwierige Rolle, auch wenn ich mir natürlich Mühe gegeben habe. Aber wen ich zum Beispiel unglaublich bewundere, das ist Sean Penn. Einmalig, wie der in „Ich bin Sam“ einen Behinderten verkörpert hat.

Findest du dein Leben interessant genug für einen Kinofilm?

Bushido: Von selbst wäre ich nicht auf de Idee gekommen, Filmfirmen anzurufen und zu sagen „Hey, mein Name ist Bushido, und ich habe hier ein Leben, das ist relativ spannend“. Hätte ich vor einigen Jahren gesagt „Mein Traum ist es, dass Bernd Eichinger mein Leben verfilmt“, dann hätten mir alle den Vogel gezeigt. Als Bernd dann tatsächlich bei mir anklopfte, war das wie Weihnachten und Silvester an einem Tag.

Der Produzent heißt Bernd Eichinger,der Regisseur Uli, deine Filmpartner sind unter anderem Moritz Bleibtreu und Hannelore Elsner. Hattest du keine Angst, in diesem hochkarätigen Umfeld zu scheitern?

Bushido: Du hast recht: Ich spiele in der Champions League und hoffe, dass ich dort nicht untergehe oder nur so eine Eintagsfliege bin. Ich hoffe, dass die Leute sagen „Der Junge ist ganz gut in dem, was er macht“. Ich will aber nicht behaupten, dass ich jetzt voll der krasse Schauspieler bin.

bushido

Bernd Eichinger sagt über dich: „Bushido drückt die Panikknöpfe der Gesellschaft.“ Wie meint der das?

Bushido: Egal, wo ich auftauche, sind die Leute panisch, zugeknöpft, misstrauisch oder voreingenommen. Ich verursache ständig so einen negativen Beigeschmack. Wer mir allerdings mit dem nötigen Respekt begegnet, der merkt, dass ich genauso ticke wie jeder andere Mensch auch. Ich habe dieselben Ängste und Wünsche wie jeder auf der Welt.

Provozierst du denn gerne?

Bushido: Man sollte das alles nicht so ernst nehmen, was ich mache und erzähle. Wenn ich den Panikknopf drücke, dann ist das so, als wenn dein vierjähriger Sohn aus Versehen den Alarm in deinem Auto auslöst.

Du sagst, Respekt ist ein wichtiger Wert für dich. Begegnest du selbst denn allen Menschen stets mit Respekt? Deine Raptexte sind nicht selten frauenfeindlich und deine Rivalen titulierst du gern als „Opfer“.


Bushido: Vor gewissen Menschen hatte ich nie Respekt und habe immer noch keinen. Bei denen erwarte ich auch nicht, dass sie mich respektieren. Aber grundsätzlich behandele ich die Leute respektvoll und erwarte umgekehrt, dass die Leute mir ohne Vorurteile und Paranoia begegnen. Wenn man gewisse Spielregeln erfüllt, kann man mit mir neun Stunden lang in der Kneipe bei Cola und Tee die Nächte durchquatschen.

Das Magazin „Neon“ hat eine lange Reportage über dich geschrieben, die damit beginnt, dass du deinen Fahrer mit deftigen Worten zur Schnecke machst. Die Überschrift der Geschichte: „Das Vorzeigearschloch“. Erkennst du dich in dem Wort wieder?

Bushido: Sagen wir so, der Artikel ist ganz okay. Eine angebrachte und gesunde Kritik an meiner Person wünsche ich mir durchaus, weil mir das hilft, mich besser kennenzulernen und besser über Situationen nachzudenken. Und natürlich habe ich den Fahrer gemaßregelt, weil er mich nicht dahingefahren ist, wo er hinfahren sollte. Das ist doch ganz normal. Aber klar, so eine Schlagzeile wie „Bushido schreit seinen Fahrer an“, die zieht immer.

Bist du dennoch inzwischen familientauglich?

Bushido: Mich bei „Wetten Dass...“ aufs Sofa setzen, das hätte ich schon vor vor zwei Jahren gekommt. Gottschalk, Jauch, Kerner – das sind alles Menschen, mit denen ich klarkomme oder klarkommen würde. Es gibt keine Instanzen in Deutschland, seien es Polizeidienststellen oder „Wetten Dass...“, bei denen ich mich nicht angemessen zu verhalten wüsste.

Du bist in verschiedensten Milieus zu Hause – kannst mit Hannelore Elsner feiern, mit Bernd Eichinger Urlaub machen und trotzdem noch mit deinen alten Berliner Kiezkumpels abhängen.

Bushido: Ich will mein Leben nicht beschränken. In meinem Lehrberuf als Maler und Lackierer arbeiten, einmal die Woche Squash spielen, am Wochenende DVD gucken und den Rest meines Lebens mit meiner Frau zu verbringen – das war nie mein Lebensinhalt. Ich bin ein Chameleon und versuche so viele Dinge wie möglich zu machen. Aber ohne dabei zu heucheln.

Wie sieht der perfekte Bushido-Tag aus?

Bushido: Ich gehe in der Nacht zuvor so gegen 2 Uhr schlafen und wache mittags auf. Dann spiele ich „World of Warcraft“, aktualisiere meine Facebook-Seite und lade meine E-Mails runter. Dann kommt mein Kumpel vorbei, wir rauchen eine Wasserpfeife, er erzählt mit, was er in der Disco erlebt hat. Irgendwann geht er nach Hause, und ich spiele noch mal „Warcraft“, füttere meine Hunde, gehe ins Bett und schlafe ohne böse Träume ein.

Sehen Jugendliche dich als Vorbild?

Bushido: Manche tun das. Was aber jeder in mir sieht, ist eine Person, die in der Öffentlichkeit steht, und die Sachen macht, die auf den ersten Blick cool erscheinen. Wenn man den Leuten zeigt, dass man Geld hat, Frauen und Autos, dann finden viele das geil, auch wenn sie nicht unbedingt Fan von einem sind. Ich würde da von einer ganz leichten Form von Bewunderung reden. Dessen bin ich mir bewusst, und da muss man natürlich auch aufpassen und den Kids keinen Stuss erzählen.

Ist es nicht ein bisschen zweischneidig, für „Geld, Frauen und Autos“ bewundert zu werden?

Bushido: Klar ist das toll, diese materiellen Dinge zu haben und erfolgreich zu sein bei den Frauen. Aber das reicht nicht, um langfristig glücklich zu sein. Deshalb: Auch andere Werte sind mir wichtig.

Was denn so? Aktuelle Schlagzeilen über dich lauten „Ich fahre einen 200.000 Euro-Schlitten“ oder „Ich schlafe im Monat mit 30 Frauen“.

Bushido (lacht) Dazu musst du sehen, dass ich der Medienlandschaft viel anbiete. Und dann mache ich eben so ein Interview wie das im „Playboy“, in dem ich erzähle, dass ich wirklich sehr viel Sex gehabt habe und dass ich rein mathematisch auf Tour täglich mit einer Frau schlafe. Ich habe das Thema noch so sachlich wie möglich gehalten, weil es einfach stimmt. Auf der anderen Seite lebe ich mit meiner Mutter zusammen, weil ich sie sehr liebe. Gerade der Respekt zu meiner Mutter ist mir sehr wichtig.

Schimpft deine Mutter mit dir, wenn sie liest, dass du dich mit deinen Sexabenteuern brüstest?

Bushido: Meine Mutter würde sich freuen, wenn ihr Sohn liebestechnisch endlich Fuß fasst und mit einer Frau zusammenkäme, mit der er sich vorstellen könnte, Kinder zu bekommen. Meine Mutter hätte es auch gefreut, wenn ich nicht im Heim gelandet wäre oder keine Drogen vertickt hätte. Sie will nur mein Bestes..

Träumst du auch von einem Idyll mit einer Frau, der du treu bist?

Bushido: Definitiv. Ich bin ja schon auf dem besten Wege dahin, mein Leben idyllisch zu gestalten. Ich habe ein großes Haus mit zwei Meter hohem Zaun, zwei Labradormädchen namens Mischa und Shirley und einen riesigen Garten. Kinder in die Welt zu setzen, sie zu erziehen und aus ihnen vernünftige Menschen zu machen, ist das nächste große Ziel.

Aha.

Bushido: Doch, auf jeden Fall. Jetzt gerade ist meine Karriere noch sehr spannend. Ich habe den Film gemacht, meine Autobiographie geschrieben, bin unheimlich populär und habe Sachen, über die ich reden kann. Aber wenn ich bald wieder ein neues Album mache, dann habe ich nicht die Motivation zu erzählen, warum dieses Album nun gerade das Beste ist. Die Musik ist nach elf Jahren und zwei Millionen verkauften Alben zur Routine geworden.



Gespräch und Interview : Martin Vejmelka
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