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Barbara Schöneberger: Ich bin unperfekt

Barbara, du willst zwar nicht über dein Privatleben reden, aber wie die Rollenverteilung bei euch zuhause ist, besingst du ja auf deinem Album. „Du machst Liebe – und ich mach das Geld“. Lässt sich dein Mann wirklich von dir aushalten?

Barbara Schöneberger (lacht): Das ist Fiktion! Und übrigens eines meiner Lieblingslieder von der Platte. Aber nein, ich könnte es mir nicht vorstellen, dass mein Mann den ganzen Tag Chili isst, die Fußnagelhaut pflegt und sich perfekt darauf vorbereitet, dass ich abends von der Arbeit nach Hause komme.

Besprichst du deine Songs mit deinem Mann?

Schöneberger: Nein. Menschen, die mir wirklich nahestehen - meine Eltern, mein Partner oder meine besten Freunde – sind nicht die besten Berater, wenn es um meinen Beruf geht. Wenn es etwa ein Bild von mir im sexy Kleid gibt, dann ist der Partner halt nicht der Richtige, um zu entscheiden, ob man dieses Bild jetzt freigibt oder nicht. Ich bespreche die alltäglichen beruflichen
Dinge alle nur mit meinem beruflichen Umfeld.

Barbara Schöneberger: „Ich bin unperfekt“

Du singst im Stück “Verboten gut” die Zeile “Ich tue gut daran, von meinem Glück abzulenken” Ist es dir peinlich, dass Arbeit und Beziehung super laufen?

Schöneberger: Jeder Text ist zwar auch eine Überspitzung, aber mein Textschreiber Frank Ramond und ich, wir haben viel darüber gesprochen, wie es ist, wenn sich Sachen einfach ergeben, vielleicht auch nur aus Glück oder weil man zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist.
Manchmal finden die Leute das doof und unsympathisch. Stimmt auch. Sogar Freunde sagen mir zuweilen ein bisschen vorwurfsvoll “Du hast ja immer Glück”. Was zum Teil stimmt, zum Teil aber auch nicht. Denn vieles klappt bei mir eben nicht, bloß nehme ich das dann nicht
so schwer wie viele andere.

Wieso denken die Leute, dass dir alles gelingt?

Schöneberger: Weil ich mich lieber auf die guten Seiten und die positiven Dinge konzentriere. Ich bin ein Mensch, der sich schnell von Rückschlägen erholt. Ich hatte tausend Rückschläge: Schlechte Sendungen, schlechte Quoten, doofe Artikel, schlechte Frisuren und Kleider. Da
muss man halt drüberstehen.

Hast du viele Neider?

Schöneberger: Nein, das glaube ich nicht. Ich habe immer das Gefühl, die Leute finden mich nett. Weil ich unperfekt bin. Frauen sagen zum Beispiel zu mir “Sie haben nicht so eine perfekte Figur, das ist sympathisch”. Da denke ich mir dann zwar “Ach Gott, so würde ich es nicht formulieren, aber gut”. Wer sich immer im rechten Licht präsentiert, tolle Kinder und eine herrliche Villa auf Mallorca nach vorne schiebt, den finden die Leute zwar “Boah”, aber identifizieren tun sie sich lieber mit jemandem, der ein paar Ecken und Kanten hat. Deshalb sind die Leute mir gegenüber insgesamt positiv eingestellt.

Wärst du denn gerne die perfekte Frau?

Schöneberger: Ach, ich bin zufrieden mit mir. Auch wenn ich gerne mehr Disziplin hätte, und zum Beispiel mehr Sport machen und einen Gesangs- und Tanzlehrer engagieren sollte.

Deine eigene Palttenfirma beschreibt dich als “Diva”. Bist du eine?

Schöneberger: Nein. Der Spagat ist, auszusehen wie eine Diva, aber sich doch wie ein Kumpel zu verhalten. Manchmal ist es leider andersrum. Auch wenn ich für den Divenlook inzwischen professionelle Hilfe habe. Das kumpelige kriege ich derweil noch selber hin.

Bist du im Auftreten insgesamt ruhiger und seriöser geworden?

Schöenberger: Weiß ich gar nicht. Okay, ich mache nicht mehr “Blondes Gift”. Und ich bin auch nicht mehr so sorglos wie früher. Da hast du schneller mal was rausgehauen, das geht irgendwann nicht mehr, weil man zu bekannt ist und zu sehr darauf geachtet wird, was man
sagt. Ich kann mich einfach nicht mehr unter Nennung von Namen über alle möglichen Leute lustig machen.  Sonst hast du am nächsten Tag die Schlagzeile “Zickenkrieg!  Barbara Schöneberger beleidigt TV-Kollegin”. Ich möchte nicht als Zicke dargestellt werden, denn das bin ich auch nicht.

Genießt du die Aufmerksamkeit um deine Person?

Schöneberger: Wäre das nicht der Fall, dann wäre das er falsche Beruf für mich. Ich bin aber überhaupt nicht gefährdet, mich in den Strudel des Showbusiness hinabziehen zu lassen. Dafür bin ich fast schon Jauch-mäßig spießig. Der geht auch nicht gerne auf Aftershowparties
und stürzt dann dort ab. Bei der Party nach der “Echo”- Verleihung bin ich genau zehn Meter weit gelaufen, dann hatte ich genug und bin ein Schnitzel essen gegangen.

Gibt es zwei Barbara Schönebergers - die öffentliche und die private?


Schöneberger: Es ist gut, wenn man authentisch ist. Man sollte sich also im Fernsehen so zeigen, wie man auch privat ist. Das merken die Leute auch und wissen es zu schätzen. Irgendwann stellt man fest: “Jetzt wissen die aber schon sehr viel über mich“. Dann fängt man an, einen Grünstreifen zu ziehen und eine Hecke zu pflanzen. Das finde ich für mich gesund. Und die Kollegen, mit denen ich mich gern vergleichen möchte, die machen das ganz genauso.

Also etwa Günther Jauch, Harald Schmidt...

Schöneberger: Ja. Aber auch Sandra Maischberger, Kerner, Beckmann. Die melden sich in der Presse zu Wort, lehnen sich auch mal aus dem Fenster aber haben auch noch ein Leben, das privat bleibt. Ich muss nicht ständig verfolgt werden und alle meine Erlebnisse mit der Öffentlichkeit teilen.

Über deine Hochzeit wurde ja auch erst mit zwei Monaten Verspätung in der Bild-Zeitung berichtet.

Schöneberger: Ja, und ich hatte mir gewünscht, sie wäre gar nicht aufgetaucht.

Anfang Oktober heiratest du kirchlich. Schaffst du es, dass alles vorzubereiten?

Schöneberger: Geht schon. Manche Leute nehmen sich ja eine Woche Urlaub, nur weil sie abends ein paar Leute zum Essen einladen. Ich mache momentan wahnsinnig viel, das stimmt, aber ich möchte ja auch, dass meine Konzerte ausverkauft sind.

Trifft der Eindruck zu, dass du recht schleichend in deine Karriere hineingewachsen bist?

Schöneberger: Lustigerweise sagt mein Umfeld, dass ich sehr ehrgeizig bin. Während ich selbst eher finde, dass mir alles zugeflogen ist. Ab und zu habe ich mal die Pobacken zusammengekniffen und was ganz toll anstrengendes gemacht. Aber ja, glücklicherweise hat der Prozess des Bekanntwerdens bei mir so lange gedauert. Denn es gibt nichts ungesünderes als wahnsinnig jung und wahnsinnig schnell bekannt zu werden.

Man liest, du trittst demnächst bei der ARD die Nachfolge von Jörg Pilawa an.

Schöneberger: Das habe ich auch gelesen. Mit mir selbst hat aber noch niemand gesprochen. Ich freue mich natürlich, zusammen mit Ina Müller und Eckart von Hirschhausen dafür in Frage zu kommen.

Welche seiner Jobs würdest du denn gern übernehmen?

Schöneberger: Ich sehe mich nicht als Quizshow-Moderatorin. Jetzt müsste man sich mal angucken, was Pilawa sonst so gemacht hat. “Frag doch mal die Maus” wäre eine schöne Sache. Hirschausen macht die Maus, ich den Elefanten.

Wer kommt eigentlich zu deinen Konzerten?

Schöneberger: Viele denken, es kommen nur junge Männer zwischen 20 und 30, so im Sinne von “Geil, ey, wir gucken uns die Alte mal an“.. Das ist aber überhaupt nicht der Fall. Es kommen unheimlich viele ältere Leute. Auch solche, bei denen man vielleicht denkt „Wollten die nicht lieber zu Semino Rossi?“Ich bin stolz auf mein Publikum. Ich gucke mir die an und denke, mit denen könnte ich auch befreundet sein.

Hast du mehr männliche oder mehr weibliche Freunde?

Schöneberger: Früher hatte ich nur Männer als Freunde, weil ich immer einen auf Kumpel gemacht habe. Ich fand das immer albern, dieses „Sex and the City“-Ding mit Prosecco trinken und über Typen reden. Ich wollte auch nie so ein Mädchen sein, das immer friert, nichts isst
und ständig aufs Klo muss. Ab 30 hat sich das rapide verändert. Jetzt habe ich nur noch
Mädchenfreunde, muss dauernd aufs Klo und friere.

Wie kommt denn das?


Schöeneberger: Auf Dauer hat es das nicht gebracht, nur mit Männern befreundet zu sein. Ich
habefestgestellt, dass es wirklich wichtig ist, gute Freundinnen zu haben.

Was kann man mit Frauen besprechen, das man mit Männern nicht besprechen kann?


Schöneberger: Ich interessiere mich sehr dafür, wie andere Frauen so leben und gucke mir viel ab. Einige meiner Freundinnen sind viel emanzipierter als ich, die sagen eisenhart, dass sie nur die Hälfte im Haus machen oder dass der Mann sich freinehmen und ums Kind kümmern muss. Das finde ich spannend. Ich habe vor allem Freundinnen, die mir sehr stark widersprechen und selten der gleichen Meinung sind wie ich.

Was bedeutet denn „emanzipiert sein“ für dich?

Schöneberger: Dass jeder sein Leben so leben kann, wie er oder sie es gerne will. Aber dafür müssen sich die politischen Bedingungen in Deutschland noch weiter ändern. Noch hat nicht jede Frau in Deutschland die Möglichkeit, ihr Leben so zu gestalten, wie sie es gerne möchte. Weil es eben nicht so geht. Wenn eine Frau mit drei Kindern sagt, sie möchte zuhause bleiben, finde ich das genauso emanzipiert, als wenn sie weiter ganztags arbeiten geht. Sie muss nur die Wahl haben.

Wirst du von Männern oft angegraben? Oder haben die Angst vor dir?


Schöneberger: Angst nicht, aber oft Respekt. Die antizipieren bei mir, dass ich mich nicht leicht überrumpeln lasse. Die wissen oder ahnen, wenn sie mich mit einem schwachsinnigen Spruch anquatschen, dann quatsche ich wahnsinnig schwachsinnig zurück. Was auch so passiert. Aber: Früher haben mich eindeutig mehr Männer angesprochen. Vielleicht, weil ich jetzt im Fernsehen bin. Vielleicht aber auch, weil ich schon 35 bin. Mit 20 war ich in Italien, da sind mir scharenweise Männer hinterhergelaufen. Neulich meinte eine Freundin „Die Italiener
sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Keiner hat mich angelabert“. Aber ich fürchte, das liegt nicht an den Italienern, sondern an uns.

Möchtest du Kinder haben?


Schöneberger: Ja, sehr gerne möchte ich mal Kinder haben. Dein Vater war Soloklarinettist im
Bayrischen Staatsorchster, dein Opa Dirigent.

Ist das eigentlich deine Musik auf diesem Album? Diese Mischung aus Chanson, Schlager, Pop und Swing?

Schöneberger: Ja natürlich, mein Musikstil war meine eigene Idee. Meine Songs sind
sehr von der leichten, eingängigen Discomusik der 70er Jahre beeinflusst. Insgesamt
kommt die Platte sehr luftig und positiv daher. Dieses Unbeschwerte liegt mir einfach
näher als schwermütige Musik. Ich habe das Ganze außerdem mit Blick auf die Konzerte
gemacht. Die Lieder kann man sehr gut live singen.

Wird es nach „Jetzt singt sie auch noch“ und „Nochmal, nur anders“ noch mehr Platten von dir geben?

Schöeneberger: Ich gehe dahin, wo der Zuschauer ist. Falls das irgendwann mal kein Schwein interessiert, was ich mache, dann würde ich damit wieder aufhören. Aber
ansonsten singe ich weiter.

Barbara Schöneberger mit 80?

Schöneberger: Bisher ist es immer besser geworden. Das ist ja auch der Mechanismus des Älterwerdens. Ich möchte kein Jahr jünger sein und keinen Schritt zurückgehen. Wie es weitergeht weiß ich nicht, aber ich bin da zuversichtlich. Wenn mir irgend etwas mal nicht mehr passt, dann schlage ich eben einen neuen Weg ein. Umwege erhöhen die Ortskenntnis.

Text: Martin Vejmelka
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