INTERVIEWS

Im Interview: Badesalz

Ein Gespräch mit Henndrik Nachtsheim über kroatische Inseln, Frustrationen und fast 30 Jahre Badesalz.

Zwei der bekanntesten deutschen Comedians befinden sich momentan wieder dabei, die Lachmuskeln der Republik zu strapazieren. Die Rede ist von Badesalz. Genau, die beiden Herren Henndrik Nachtsheim und Gerd Knebel mit dem sympathisch-nuscheligen hessischen Dialekt. Derzeit sind sie mit ihrem neuen Bühnenprogramm Dugi Otok auf Tournee. www.badesalz.de

Ihr habt schon einige Shows in den letzen Wochen gespielt. Viele waren ausverkauft. Wie waren die Reaktionen?
Man macht sich ja vor jeder Tour immer so seine Gedanken und ist sich unsicher, ob und wie das Programm ankommen wird. Aber bis jetzt ist es bei den Leuten wirklich super angekommen und wir sind sehr zufrieden. Alle unserer acht Bühnenprogramme bisher waren natürlich schön – aber das aktuelle, mittlerweile achte, ist uns ganz besonders ans Herz gewachsen, da wir sehr viel gemeinsam auf der Bühne stehen und nicht mehr so ein getrenntes Nummernprogramm wie früher haben.

Euer neues Programm heißt Dugi Otok. Was erwartet den Zuschauer?
Der Name kommt von einer Insel, die vor der kroatischen Küste liegt. Das Programm selbst spielt in einem Plattenladen. Nur haben die beiden Betreiber ein Problem: Die Kundschaft bleibt aus. Und so machen sie sich Gedanken darüber, wie sie den Laden auf Vordermann bringen und wieder Kundschaft anlocken können. In einer seltsamen Vision hat einer der beiden dann die Idee, ein Blackmetal-Festival auf Dugi Otok zu veranstalten.

Wie erarbeitet ihr eigentlich ein solches Bühnenprogramm?
Natürlich stehen am Anfang erst einmal grobe Ideen. In diesem Fall war klar, dass wir zusammen auf der Bühne sein wollen, sprich, es also darum gehen soll, was die beiden Inhaber des Plattenladens mit sich so anfangen. Jeder von uns hat dann erst einmal sehr viel an Ideen, Dialogen oder Sketchen aufgeschrieben. Dann setzt man alles Stück für Stück zusammen. Anfangs ist es eher spontan-kreativ und dann ist es natürlich eine Menge harter Arbeit.
So entsteht eigentlich jedes Programm.

Seit letztem Jahr gibt es Badesalz wieder im TV mit der gleichnamigen Show auf Comdey Central. Schön, wieder Fernsehen zu machen?
Da muss man realistisch bleiben. Die Sache auf Comedy Central läuft mittlerweile glaube ich schon in der achten Wiederholung. Das ist für uns kein Problem, aber Fernsehen spielt damit momentan keine wirklich große Rolle in unserem Leben. Wir sind, was Fernsehen betrifft, auch eher ernüchtert: Wir hatten eine wunderschöne Sendung mit einer tollen Idee und tollen Gästen für den WDR produziert. Die lief dann zu Sylvester um Mitternacht und war auf die Hälfte zusammengeschnitten. Das war schon eine Art künstlerischer Vergewaltigung. Wir sind deswegen wirklich frustriert und enttäuscht.

 

 

Ihr werdet zu den Pionieren deutscher Comedygeschichte gerechnet. Was ist für Dich gute Comedy?
Ich halte es ehrlich gesagt für vermessen, hier über gute und schlechte Comedy zu referieren. Ich glaube, dass die Leute, die schon lange dabei sind und immer noch ein großes Publikum ziehen, etwas richtig machen – was auch immer. Ein Rezept für gute oder schlechte Comedy gibt es nicht. Letztendlich ist es das Publikum, welches entscheidet. Und deswegen freue ich mich auch, dass wir nach 25 Jahren Badesalz immer noch erfolgreich auf der Bühne stehen.

Was hälst Du von Casting-Shows, in denen mittlerweile nahezu alles gesucht wird – auch Comedians?
Ich sehe das nicht so verbissen. Es gibt eine große Nachfrage im Moment nach guten Comedians.
Und wenn dann ein Mario Barth das Olympiastadion mit vielleicht 60.000 Leuten füllt, dann kann man das noch so sehr kritisieren – Fakt ist, er zum Beispiel hat etwas gefunden, was der breiten Masse gefällt. Vielleicht hat das Fernsehen in den letzten Jahren dem ganzen ein wenig geschadet, weil es zu viele und zum Teil auch zu schlechte Formate gebracht hat. Aber letztendlich zwingt einen ja niemand sich das auch anzusehen.

Du hast im letzten Jahr Dein erstes Soloalbum veröffentlicht. Eigentlich überfällig nach so vielen Jahren als aktiver Musiker. Warum hat es so lange gedauert?
Wir haben mit Badesalz immer wahnsinnig viel zu tun: CDs, Filme, Programme oder Gastauftritte. Vor zwei Jahren haben wir dann mal bewusst eine Auszeit genommen. So konnte ich endlich mein Album aufnehmen und veröffentlichen.
Das war zu Beginn ehrlich gesagt eine der frustrierendsten Zeiten überhaupt. Überall wurde ich gelobt für das Album, aber kaum einer hat es im Radio gespielt. Wir haben dann viele Konzerte im hessischen Raum gespielt, um Leute zu ziehen, die mich schon kennen. Mittlerweile hat sich das Projekt sehr gut entwickelt und ich bin zufrieden. Ich denke es wird auch eine Fortsetzung geben. An dieser Stelle will ich auch sagen, dass Gerd ebenfalls an einigen musikalischen Projekten arbeitet, die sich im Bereich Heavy-Metal bewegen.

 

 

Wer zählt für Dich momentan zu den innovativsten Comedians?
Der meiner Meinung nach immer etwas zu sehr in die zweite Reihe gestellt wird, ist Hennes Bender. Er ist wirklich gut und sehr professionell. Es gibt natürlich viele wie ihn, die sehr gut sind. Wenn man zum Beispiel NightWash schaut oder andere Formate, dann entdeckt man immer wieder Leute, die sehr gut sind. Dieter Nuhr, Günter Grünwald, Urban Priol oder Günther Schramm – alles sehr gute Leute. Es ist wirklich schwer Namen zu nennen. Es gibt verdammt viele.

Fast 30 Jahre Badesalz: Ist irgendwann auch mal Schluss?
Wir haben immer noch wahnsinnig viel Spaß zusammen und verstehen uns sehr gut. Nach dieser langen gemeinsamen Zeit sind wir auch enge Freunde geworden.
Uns verbindet eine sehr ähnliche Humorebene und wir lachen immer wieder Tränen zusammen. Das ist eine sehr angenehme und natürliche Beziehung zwischen uns. Und so lange uns was einfällt und die Leute unsere Art von Humor mögen machen wir das weiter. Vielleicht sitzen wir auch noch als Opas auf der Bühne auf einer Bank und labern uns einen ab (lacht).


Hendrik, ich danke Dir für das Interview und wünsche
euch viel Spaß und Erfolg auf der weiteren Tour.


Interview: Friedemann Schreiter

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