Puppetmastaz „HipHop ist wie ein Süßigkeitenladen"

Berlin. Irgendwann in den 1990er Jahren. Ein Maulwurf mit übergroßem Hut trifft einige Froschpuppen. Schnell wird klar, sie haben die gleichen Ziele: Die Weltherrschaft an sich reißen und endlich den Sieg über die üble Menschenrasse erringen. Die Waffe: Musik. Genauer, HipHop. Und so nimmt die Geschichte der Puppetmastaz ihren Lauf.
Aus aller Welt schließen sich Puppen an, um für die Werte und Ziele der musizierenden Puppentruppe einzutreten. Und die Chancen stehen gut. In diesem Jahr könnten sie es schaffen. Dazu ein Gespräch mit Gründungsmitglied Big Eye.
Ihr seid den ganzen Mai auf Tour in verschiedenen Ländern gewesen. Wie war’s?
Da ging einiges. Wir sind ja in vielen Ländern noch berühmter als in Deutschland und es ist immer toll, wenn viele Menschen zu unseren Shows kommen. Die gehen dann richtig ab. Und wir natürlich auch.
In welchem Land war es am schönsten?
Ich glaube in der Schweiz: Besonders viele Berge und auch Berge von Menschen in Genf. Am besten hat uns aber die Show in Berlin gefallen, weil da hunderte von Puppen auch im Publikum waren. Wir spielen nämlich sehr gern vor Puppen.
Du hast es schon gesagt. In anderen Ländern kommen die Puppetmastaz bei einer breiteren Masse an. Sind die Deutschen noch nicht reif für eure musikalische Mission?
Das denke ich nicht. Die Deutschen nehmen sich nur oft zu ernst. Es fällt ihnen gar nicht ein, eine Puppe zum Konzert mitzubringen und viel Spaß zu haben. Ich glaube auch, dass die Deutschen es schwerer akzeptieren können, dass wir so weit vorne sind mit unseren Beats und unseren Skills.

Was unterscheidet euch eigentlich von uns Menschen: Wie sieht die Welt aus der Puppetmastaz-Perspektive aus?
Wir nehmen die Dinge wie sie sind. Menschen betrachten alles von zwei Seiten. Das können wir nicht. Wir sehen immer nur eine Seite. Außerdem haben wir kein Langzeitgedächtnis. Das macht es schwierig, sich wegen irgendetwas in die Haare zu kriegen.
Auf eurer MySpace Site wird man Zeuge einer ominösen Versammlung, in der die Puppetmastaz den Takeover gegenüber der Menschheit planen. Was steckt dahinter?
Wir wollen, dass sich die Menschen wieder mit Ihren Puppen verbinden. Menschen sind so egozentrisch, aber wenn sie eine Puppe haben, dann müssen sie sich schon um ein zweites Ego kümmern. Wer eine Puppe hat, ist niemals allein. Und wir glauben, dass die Menschen, die sich den Puppen zuwenden, deswegen einen Vorteil gegenüber den anderen haben. Sie vergessen ihre Karriere und denken nicht nur an sich selbst. Wenn man sich heute umschaut, dann merkt man: Die „Love and Power Ideologie“ der 1968er ist krachend gescheitert. Deswegen verfolgen wir nun die „Glove and Power Idea“.
Gibt es einen Grund dafür, dass die Puppetmastaz sich vor allem dem HipHop in all seinen Facetten zugewandt haben?
Es steckt einfach alles im HipHop drin. HipHop ist im Grunde wie ein großer Süßigkeitenladen: Du nimmst dir, was dir gefällt. Und außerdem können wir keine Instrumente spielen.
Ihr habt im letzten Jahr einen Song für Amnesty International gemacht. Welche Ziele verfolgt ihr mit eurer Musik?
Mit dem Song wollten wir zeigen, dass die Menschen, die andere Menschen misshandeln, aller Wahrscheinlichkeit nach auch nicht gut mit ihren Tieren und ihren Puppen umgehen. Und gegen diese Menschen haben wir etwas. Außerdem: wenn Yoko Ono fragt, ob du einen Lennon Song aufnehmen willst, dann ist das natürlich auch schmeichelhaft.

Gab es eigentlich schon mal einen Diss gegenüber den Puppets von einem der menschlichen Rap-Kollegen oder im Puppenuniversum?
Nein, wir werden nicht gedisst. Das ist auch gar nicht möglich, weil wir eh größer als alles andere sind.
Die Puppetmastaz bestehen mittlerweile aus rund 20 Puppen. Wie kann man sich das vorstellen, wenn ihr alle zusammen auf Tour unterwegs seid?
Sehr klar strukturiert. Fast schon militärisch. Da hat jeder seine Aufgabe und alles läuft wie am Schnürchen. Aber wegen unseres mangelnden Kurzzeitgedächtnisses kann sich leider niemand an seine Aufgaben erinnern. Und deswegen rocken wir einfach los!
Ihr seit in diesem Jahr mit eurer neuen Show unterwegs. Was gibt’s Neues, auf was können sich die Besucher freuen?
Vor allem auf die neuen Songs. Wir haben unser kommendes Album schon fast fertig und es soll im Oktober erscheinen. Aber wir spielen natürlich auch Klassiker, wie Midi Mighty Moe oder Puppetmad.
Werdet ihr mit dem neuen Album es endlich schaffen, die Weltherrschaft an euch zu reißen?
Die Chancen stehen gut. Diesmal können wir es schaffen.
Was treibt euch eigentlich immer wieder an, als erste Toyband der Welt, die Menschheit mit eurer Musik zu konfrontieren?
Wir müssen es euch Menschen einfach geben. Wir können nicht anders. Und wenn jeder von euch eine Puppe zum Konzert – egal welches – mitbringt, dann haben wir unser Ziel schon fast erreicht.
Wie seht ihr eure Rolle als musizierende Puppen in einer menschlich dominierten Welt?
Wir sind die Mittler zwischen der Welt der Menschen, der Tiere und der Objekte.
Was haltet ihr von anderen musizierenden Puppen, zum Beispiel den Muppets?
Wir haben viel Respekt vor jeder Art Puppen. Auch vor den Muppets. In deren Universum ist aber in der Vergangenheit auch immer sehr viel los gewesen. Und denjenigen, die ein einfaches Rockstarleben dem ewigen Stress vorziehen, gewähren wir auf Wunsch natürlich gern Asyl.
Was werdet ihr mit eurer Macht anfangen, wenn die Weltherrschaft euch gehört?
Wir haben einen großartigen Plan, was alles möglich ist, wenn jeder Mensch eine Puppe hat. Aber leider habe ich ihn gerade vergessen.
Big Eye, weiterhin viel Erfolg bei der Ergreifung der Weltherrschaft.
Die Puppetmastaz auf der GameOver 2008, 27.06.2008, Röschenhof Dresden www.puppetmastaz.com
Interview: Friedemann Schreiter









