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Trinkwasser: Bund der Steuerzahler fordert Prüfung des Gebührenmodells

Der Bund der Steuerzahler Sachsen kritisiert die Einführung zusätzlicher Trinkwassergebühren für Brunnen in einigen Gemeinden des Freistaats als unzeitgemäß. «Eine solches Entgelt hilft nicht gegen steigende Trinkwasserpreise», sagte der geschäftsführende Vorstand Knut Schreiter am Dienstag in Chemnitz. «Das gesamte Gebührenmodell der Trinkwasserversorgung muss auf den Prüfstand», forderte er.

Dresden/Chemnitz . Der Bund der Steuerzahler Sachsen kritisiert die Einführung zusätzlicher Trinkwassergebühren für Brunnen in einigen Gemeinden des Freistaats als unzeitgemäß. «Eine solches Entgelt hilft nicht gegen steigende Trinkwasserpreise», sagte der geschäftsführende Vorstand Knut Schreiter am Dienstag in Chemnitz. «Das gesamte Gebührenmodell der Trinkwasserversorgung muss auf den Prüfstand», forderte er. Abwanderung und Bevölkerungsrückgang stellen die Wasserversorger nach seiner Einschätzung zunehmend vor Probleme. Immer weniger Gebührenzahler müssten ein annähernd gleichbleibendes Netz finanzieren.

Der Trinkwasserzweckverband Weißeritzgruppe (TWZ) mit Sitz in Freital erhebt ab 1. Januar von den Nutzern von Brunnen und Zisternen eine Gebühr von jährlich 16,20 Euro. Damit solle unter den Gebührenzahlern mehr Gerechtigkeit bei der Aufteilung der sehr hohen Fixkosten erreicht werden, hieß es zur Begründung.

«Die höchsten Ausgaben entstehen dadurch, dass überhaupt erst einmal Wasser bereitgestellt wird», erläuterte Schreiter. Verwaltung, Abschreibungen sowie technische Wartung und Qualitätsprüfungen - all diese Fixkosten machen beim TWZ den Angaben zufolge circa 85 Prozent der Ausgaben aus.

«In Sachsen stammen zudem 70 Prozent des Trinkwassers aus der Oberflächenaufbereitung, also aus Talsperren», erläuterte Jens Tränckner vom Lehrstuhl Siedlungswasserwirtschaft an der Technischen (TU) Dresden. Dieses Wasser aufzubereiten, sei in der Regel aufwendiger und kostenintensiver als bei Grundwasser - denn die dazu notwendigen Talsperren und Anlagen verursachten ebenfalls Kosten.

Rückläufige Einwohnerzahlen und lokale Abwanderungen sind nach Ansicht des TU-Trinkwasserexperten das größte Problem, dem sich Wasserversorger künftig stellen müssen. Die Ausgaben pro Einwohner würden steigen, sagte Tränckner: «Eine Versorgung mit Trinkwasser muss ja erfolgen, auch wenn nur noch wenige Menschen in einem bestimmten Areal leben.»

Kritisch sieht er die weitere Erschließung von Wohngebieten auf der grünen Wiese bei gleichzeitig sinkenden Bevölkerungszahlen. Wasserversorger und Stadtplaner sollten vielmehr eng kooperieren, um vorhandene Infrastruktur zu nutzen. «Vernünftig wäre es, wenn Abrissflächen, wo es schon ein Leitungsnetz gibt, etwa frühere Neubaugebiete, für Neuansiedlungen genutzt werden», sagte Tränckner.

Auch Rückbauten in Städten mit sinkender Bevölkerungszahl seien eine Möglichkeit, um Kosten zu sparen, betonte Schreiter. Er sieht ein «erhebliches Spar- und Konsolidierungspotenzial» auch in der Struktur der Trinkwasserversorger in Sachsen: «Wie bei der Kreisreform muss man hier schauen, wer mit wem zusammengehen könnte».

Burkhard Wricke, Trinkwasserexperte vom Technologiezentrum Dresden, hält einen Rückbau von Leitungen je nach örtlichen Gegebenheiten ebenfalls für sinnvoll: «Dabei muss jedoch beachtet werden, dass Trinkwasserleitungen auch von der Feuerwehr zur Löschwasserversorgung genutzt werden».

Laut Schreiter bestärken höhere Preise die Bürger noch in ihren Bemühungen zum Wassersparen. Der seit Jahren rückläufige Verbrauch könne aber zu einem höheren Wartungsaufwand führen, beispielsweise weil Leitungen nicht mehr ausreichend gespült werden und sich so Ablagerungen bilden.

Eine Überlegung wert wäre eine Trinkwasser-Flatrate, ähnlich wie beim Internet, sagte Schreiter. Jeder Haushalt entrichte bis zu einem gewissen Verbrauchswert die gleiche Gebühr. «Nebenkosten wie Trinkwassergebühren sind ein Standortfaktor», betonte Schreiter.

Laut Statistischem Landesamt verbrauchen die Sachsen derzeit 88 Liter Trinkwasser am Tag.



ddp - Bild © ddp

geschrieben am: 17.08.2010
Redaktion DD-INside.com


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