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Sommer 2020: Erst Hitze und Trockenheit, dann Sturm und Starkregen

Ein wechselhafter, zu warmer, zu trockener und sonniger Sommer liegt hinter uns. Die Bilanz lautet im Detail: Mit einer Durchschnittstemperatur von 19,5 Grad Celsius war der Sommer 2,2 Grad zu warm im Vergleich zur Klimareferenzperiode 1961 bis 1990. Es wurden 44 statt der mittleren 31 Sommertage gezählt ? Tage an denen das Thermometer die 25-Grad-Marke erreicht oder überschreitet. Während im Zeitraum 1961 bis 1990 6,5 heiße Tage ? Tage mit einer Höchsttemperatur von 30 Grad Celsius oder mehr ? in einem Sommer auftraten, waren es in diesem im Sommer 14 Tage. Die Regensumme erreichte 177 Millimeter. Damit fehlen 19 Prozent der Niederschlagsmenge im Vergleich zum Mittelwert 1961 bis 1990. Im Sommer 2020 schien an 680 Stunden die Sonne, ein Plus von 13 Prozent gegenüber dem Klimareferenzzeitraum 1961 bis 1990.

Wechselhafter Sommeranfang

Der Sommer begann gefühlt kühl und sehr wechselhaft. An nur sieben Tagen erreichten oder überstiegen die Temperaturen 25 Grad Celsius. Das ist eine leicht unterdurchschnittliche Anzahl an Sommertagen im Vergleich zum Klimareferenzzeitraum. Zwischen 1961 und 1990 traten im Mittel 8 Sommertage auf. Dennoch lag das Monatsmittel 1,7 Grad über dem Vergleichswert 1961 bis 1990. Trotz der wechselhaften Witterung setzte sich die Trockenheit des Frühlings fort. So schlägt der Juni 2020 mit einem Regendefizit von minus 54 Prozent zu Buche. Allerdings traten im Juni ausgiebige Niederschläge im tschechischen Nachbarland auf, weshalb der Elbpegel anstieg. Mit einem Pegelstand von 3,79 Metern am 23. Juni 2020 wurde die erste Hochwasserwarnstufe, die bei 4 Metern ausgerufen wird, nur knapp unterschritten. Nach dem Elbeniedrigwasser im Frühling eine deutliche Entpnung für die Schifffahrt. Zahlreiche Dampfer waren nun wieder auf der Elbe unterwegs! Bei für einen Juni durchschnittlichen Anzahl an Sonnenstunden (198 Stunden) konnten die Dresdnerinnen und Dresdner sowie die Besucher Elbflorenz entpnt vom Schiff aus bewundern.

Trockenheit im Juli

Im Juli hielt im Dresdner Raum die trockene Witterung an. Dramatisch für die Vegetation und die Dresdner Quellen und Bäche. Statt der durchschnittlichen 69 Millimeter Niederschlag regnete es gerademal 17 Millimeter. Dies ist nur knapp ein Viertel der Menge, die unter hiesigen Klimabedingungen eigentlich üblich sind bzw. waren. So litten besonders Bäume und Grünanlagen im Dresdner Stadtgebiet. Wiesenflächen trockneten wieder mal vollkommen aus. Diese erholen sich zwar relativ schnell nach Regen wieder, jedoch haben die Wiesenflächen in den letzten Jahren ihre Struktur verändert. Durch das wiederholte Trockenfallen verkrauten sie zunehmend. Die Sonne schien im Juli 2020 überdurchschnittlich. 255 statt im Mittel 1961 bis 1990 206 Sonnenstunden wurden registriert. Die Temperaturen kletterten jedoch erst in der letzten Juliwoche auf hochsommerliches Niveau. Das Monatsmittel des Julis 2020 lag 1,3 Grad über dem Klimareferenzwert 1961 bis 1990.

Hitzewelle im August

Im August bestimmte Hoch Detlef das Wettergeschehen über Mitteleuropa. Diese stabile Hochdruckwetterlage bescherte eine langanhaltende Hitzewelle in ganz Deutschland. In Dresden stiegen die Tageshöchsttemperaturen zwischen dem 7. und 21. August fast täglich über 30 Grad Celsius. Der heißeste Tag im Sommer 2020 war der 9. August. Hier kletterte das Thermometer in Dresden Klotzsche auf 34,4 Grad Celsius, an der Messstation in Dresden Strehlen wurden 35,8 Grad Celsius gemessen. Überdurchschnittliche viele Sommertage (19 statt 11) und heiße Tage (10 statt 6,5) wurden an der Station Dresden Klotzsche gezählt. Die Monatsmitteltemperatur überstieg um 3,5 Grad den langjährigen Vergleichswert. Mit 21,1 Grad Celsius war der August 2020 der viert wärmste seit 1961. Allerdings war der August 2020 auch überdurchschnittlich nass. Mit 119 Millimetern Niederschlag und damit 157 Prozent des Klimareferenzwerts wurde der zehnt nasseste August seit 1961 registriert. Die Niederschläge gingen überwiegend sehr lokal in Form von Starkregen bei Gewitterlagen nieder. Während in einigen Stadtteilen die Natur weiter unter der Trockenheit litt, lief im benachbarten Stadtteil so mancher Keller voll.

Sturm und Starkregen Ende August

Mit Sturmtief Kirsten wurde es in den letzten Augusttagen dann überall schon recht herbstlich. Die Wetterlage am letzten Augustwochenende sorgte vor allem am 30. August für große Regenmengen. An der Station Dresden Klotzsche wurden 54,1 Millimeter gemessen. Das entspricht zwei Dritteln der üblichen Monatssumme. In anderen Ortsteilen Dresdens regnete es noch mehr, wie zum Beispiel in Dresden-Gompitz. Die Regenmenge entsprach hier mit fast 80 Millimetern beim Spitzenwert einem 10-jährigen Regenereignis. Gravierende Schäden sind glücklicherweise nicht aufgetreten. Aufgrund des vorangegangenen Sturms waren jedoch viele Äste abgebrochen, die sich teilweise vor den Rechen abgesetzt hatten. Infolge waren die Treibgutfänge zugesetzt und es kam zum Überlauf.
Schadensschwerpunkt bei den Gewässern war der Kaitzbach. Durch die zugesetzten Rechen saute sich das Wasser bis zur Bürgerwiese. Auch das Hochwasserrückhaltebecken im Hugo-Bürgner-Park füllte sich aufgrund der großen Niederschlagsmengen.

Beim öffentlichen Kanalnetz der Stadt Dresden wurden drei Störungen im Zusammenhang mit dem Regenereignis in der Nacht vom 30. zum 31. August 2020 angezeigt. Auch die Feuerwehr hatte mehrere Einsätze und musste einige Keller und eine Tiefgarage leerpumpen bzw. Schlammmassen von Straßen beseitigen. Zu großen Schäden kam es nicht. Solche gefährlichen Wettersituationen, die beispielsweise die Hochwasser 2002 und 2013 hervorriefen, können aber jederzeit wieder auftreten.

Grundwasserstand weiterhin zu niedrig

Allgemein entpnte sich die Wassersituation an den Dresdner Bächen durch den Regenüberschuss im August. Fast alle Bäche führen wieder Wasser, wenn auch überwiegend noch mit Niedrigwasserstand. Das Defizit der Trockenheit ist damit noch lange nicht ausgeglichen. Auch die Grundwasserstände befinden sich weiter auf niedrigem Niveau. Die Starkniederschläge des Sommers tragen nur sehr begrenzt zu einer Wiederauffüllung der Grundwasserspeicher bei. Die weitere Entwicklung der Grundwasserstände wird vor allem von der Niederschlagssituation in den späten Herbst- und Wintermonaten abhängen, in denen unter unseren klimatischen Bedingungen vorrangig die Neubildung von Grundwasser erfolgt. Erst bei ergiebigen Niederschlägen in diesen Monaten ist mit einer langsamen Wiederauffüllung des Grundwasserleiters zu rechnen.

Betrachtet man die klimatologische Entwicklung der meteorologischen Sommermittelwerte, ist festzustellen, dass die Temperaturveränderung am kontinuierlichsten verläuft. Seit 1961 steigen die Sommertemperaturen zwischen 0,3 und 0,6 Grad pro Dekade. In der letzten Dekade 2011 bis 2020 lag die Sommermitteltemperatur +1,8 Grad über dem dekadischen Mittelwert von 1961 bis 1970. Seit den 1990er Jahren ist ebenfalls ein steter Anstieg der Sonnenscheindauer zu verzeichnen. In den letzten drei Dekaden erhöhte sich die Sonnenscheindauer um durchschnittlich jeweils 7 Prozent pro Dekade. Das Niederschlagsverhalten zeigt dagegen keinen einheitlichen Trend. Seit 1961 schwanken die sommerlichen Niederschlagsmengen um maximal 8,5 Prozent. Dabei war der nasseste Zeitraum die Dekade 1991 bis 2000. In der letzten Dekade von 2011 bis 2020 lag die mittlere Niederschlagssumme bei 219 Millimetern. Im Vergleich zur Klimareferenzperiode 1961 bis 1990, in der es durchschnittlich 217 Millimeter im Sommer regnete, stellt dieser Wert nahezu keine Abweichung dar. Allerdings hat die Anzahl der Tage, an denen es regnet, abgenommen - in den Sommermonaten im Mittel um rund 7 Prozent bezogen auf die vergangene Dekade gegenüber dem Klimareferenzwert. Dies bedeutet im Umkehrschluss: längere Trockenperioden werden durch deutlich intensivere Regenereignisse unterbrochen. Insbesondere der August hat uns dies gezeigt.

geschrieben am: 11.09.2020
Redaktion DD-INside.com


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