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Neues Haupt für 138 Jahre altes Bahrmühlenviadukt

Den besten Blick auf die steinerne Eisenbahnbrücke über die A 4 in Chemnitz hat man von der Bornaer Höhe im Norden der Stadt. Das 236 Meter lange und bis zu 25,50 Meter hohe Bahrmühlenviadukt fügt sich mit einer erheblichen Krümmung harmonisch in die Landschaft ein.

Chemnitz . Den besten Blick auf die steinerne Eisenbahnbrücke über die A 4 in Chemnitz hat man von der Bornaer Höhe im Norden der Stadt. Das 236 Meter lange und bis zu 25,50 Meter hohe Bahrmühlenviadukt fügt sich mit einer erheblichen Krümmung harmonisch in die Landschaft ein. Wie ein aus Richtung Leipzig kommender Zug am gegenüberliegenden Hang aus der Kurve auftaucht und diesseits zwischen Feldern verschwindet, könnte Vorbild für eine Modellbahnanlage sein.

In der realen Welt könnten sich künftig rote Dieseltriebwagen und schwere Kohlezüge auf der Brücke treffen. Denn nach einer grundlegenden Sanierung wird das 138 Jahre alte Viadukt nach Pfingsten wieder für den uneingeschränkten zweigleisigen Betrieb freigegeben. Damit ist die letzte Langsamfahrstelle auf der Strecke nach Leipzig beseitigt, wie Gert Lanzendorf von der DB Projektbau GmbH betont. Die Fahrzeit für den Chemnitz-Leipzig-Express (CLEX) soll sich bei 90 Stundenkilometern um zwei Minuten verkürzen.

«Wir haben ein komplett neues Gleistragwerk errichtet. Das ist quasi eine Brücke auf der Brücke», sagt Lanzendorf. Gleichzeitig wurde die Brückenkrone um einen halben Meter in jede Richtung verbreitert. Durch den gewonnenen Platz links und rechts der Gleise könnten Kontrolle und Wartung der Bahnanlagen künftig ohne Streckensperrung durchgeführt werden. Für die Inspektion des Brückeninneren seien die Einstiegsschächte zwischen den Gleisen durch den Zugang über einen Pfeiler ersetzt worden.

«Eine besondere Herausforderung war die Bogenlage. So führen Temperaturdifferenzen durch unterschiedliche Sonneneinstrahlung zu Spannungen im Bauwerk. Es arbeitet mehr als eine gerade Brücke», erläutert Lanzendorf. Diese Besonderheit musste bei Gleisverlegung wie auch bei der Mauerwerkssanierung beachtet werden. Doch die erst einmal, 1935 beim Autobahnbau, umfassend sanierte Brücke sei grundsolide in ihrer Substanz.

Die im November 2008 begonnenen Arbeiten liefen bei rollendem Verkehr. Erst wurde eine Brückenseite, dann die andere erneuert. Die früher eher braune Natursteinverkleidung zeigt sich jetzt hellgrau. Wie Lanzendorf versichert, gab es großes Einvernehmen mit dem Denkmalschutz, und auch die Forderungen des Naturschutzes zur Erhaltung des größten Fledermausquartiers in Chemnitz und Umgebung seien erfüllt worden.

Das einst über das Tal des Bahrebachs gebaute Viadukt hatte bereits vor rund zehn Jahren von sich reden gemacht. Während mehrjähriger Bauarbeiten erhielt es eine «Brücke unter der Brücke». Dabei wurden schrittweise drei der mächtigen Pfeiler verkürzt und ihnen ein Betontisch «untergeschoben». Die Maßnahme war notwendig geworden, um die von vier auf sechs Spuren verbreiterte A 4 unter der Brücke durchzuführen. Der Pfeilerabstand hatte zuvor gerade so gereicht, um je eine Fahrbahn dazwischen unterzubringen.

Das als Unterfangung bezeichnete Verfahren ist bis heute ein europaweit einmaliges Beispiel. Die Bauarbeiten verliefen nicht ohne Überraschungen. Beispielsweise musste die Gründung des Betonbauwerks verändert werden. Zahlreiche Messpunkte gaben ständig an, ob die Brücke stabil bleibt. Offensichtlich hat sie alles gut überstanden, denn Fachleute geben ihr eine Funktionsdauer von weiteren 80 bis 90 Jahren.

Chemnitzer Denkmalschützer sahen die «Amputation» nicht so gern. Sie hätten sich auch eine andere Lösung für die Autobahn vorstellen können. Bewohner der benachbarten Bahrebachsiedlung hatten wegen der Lärmbelastung ohnehin einen richtigen Tunnel gefordert, denn der Chemnitzer Bereich gehört zu den am dichtesten belegten Abschnitten der A 4. «Die Eisenbahn stört uns viel weniger. Der Zug kommt und ist schnell wieder weg. Und Güterzüge fahren ja nicht mehr so oft», sagt die Bewohnerin des ersten Grundstücks neben der Brücke.

Ob das Bahrmühlenviadukt demnächst noch einmal zum Bauplatz wird, bleibt abzuwarten. Zur besseren überregionalen Anbindung von Chemnitz hofft die Region auf die Elektrifizierung in Richtung Leipzig. Wie es aus dem Bundesverkehrsministerium heißt, werden derzeit in einer Studie mehrere Varianten untersucht. Laut Bauüberwacher Lanzendorf könnten die Arbeiten ohne großen Eingriff in die Brücke erfolgen.



ddp - Bild © ddp

geschrieben am: 19.05.2010
Redaktion DD-INside.com


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