INTERVIEWS

FacetoFace mit Curse

Er gehört zweifelsohne zu den ganz großen Namen im deutschen Rap-Zirkus. Die Rede ist von Mindens Finest – „Curse“. Im Jahr zweitausend das erste Mal mit seinem Debüt-Album „Feuerwasser“ in das Bewusstsein der Öffentlichkeit getreten, hat er bis heute auf sechs Soloalben, unzähligen Featurebeiträgen und sonstigen Veröffentlichungen gezeigt, dass er zu einem der authentischsten, vielseitigsten und tiefsinnigsten Künstler in der Deutschen Rap-Szene zu zählen ist. In diesem Jahr feiert „Curse“ sein zehnjähriges Bühnenjubiläum: 1996 bis 2006 – Zehn Jahre geprägt von Höhen und Tiefen und einer Konstante, welche bis heute das Leben des Mindeners reflektiert: Musik. Aus diesem Grund hat er jetzt das Mixtape mit dem Namen „Einblick zurück“ veröffentlicht. Im Dezember befindet sich „Curse“ nun auf der dazugehörigen deutschlandweiten „Einblick nach vorn“ – Tour und macht dabei auch am 16.12.2006 in der Scheune in Dresden halt. Aus diesem Anlass sprachen wir mit ihm über sein aktuelles Mixtape, das Splash-Festival und die deutsche HipHop-Szene.

Unter dem Titel „Einblick zurück“ hast Du im August diesen Jahres ein Mixtape veröffentlicht, welches anhand ausgewählter Lieder die letzten zehn Jahre deines Schaffens dokumentiert. Was ist die Idee hinter diesem Mixtape? Verabschiedest du dich damit in gewisser Weise von dem Curse der letzten Jahre um ein neues Kapitel zu beginnen?

Jedes mal wenn ich ein neues Album beginne, beginnt eine neue Phase für mich. Eine "Verabschiedung" ist das aber nicht, denn ich baue immer auf dem auf, was ich davor schon getan und erreicht habe. Die Idee für "Einblick zurück" war es, einen Rückblick für alle Curse-Fans zu schaffen, und eine Werkschau für all die, die mich erst seit kurzem kennen. Ich bin seit 10 Jahren im deutschen HipHop-Game, und viele der Songs von vor ein paar Jahren sind heute 110% aktuell. Um das zu zeigen haben wir auch einen "alten" Song zur Single gemacht. Und jeder, der ihn noch nicht kannte, dachte er währe brandneu.





Mit jedem Lied auf dem Mixtape verbindest du sicher Geschichten, Bilder oder ein bestimmtes Lebensgefühl der letzten Jahre. Was ist das für ein Gefühl, wenn du das Mixtape selber hörst oder live die Tracks spielst?

Das Mixtape macht mir immer sehr viel Freude muss ich sagen. Ich bin sehr begeistert von den "Interpretationen" meiner Tracks durch DJ GQ und DJ Kitsune. Sie hatten komplett freie Hand in der Auswahl der Songs und der Gestaltung des Albums und daher habe ich hier ein Best-Of in der Hand, was aber zugleich auch wieder etwas völlig neues und frisches ist.

Im Dezember gehst du auf die dazugehörige „Einblick nach vorne!“ - Tour. Was hat sich deiner Meinung nach in all den Jahren vor der Bühne verändert? Vor wem hast du damals gespielt und wer steht heute bei deinen Konzerten in der ersten Reihe?

Das Publikum ändert sich ständig, aber nur in Nuancen. Der Kern der Curse Hörer ist der gleiche geblieben: Menschen, die Rap-Musik mit Inhalt und Seele lieben und erleben möchten. Allerdings kann ich schon einen Wandel beobachten, der mit dem einhergeht, welcher Song von mir gerade im Radio und im Fernsehen läuft. Als "Gangsta Rap" aktuell war, kamen mehr jüngere. Zur Zeit von "Hand hoch" war der Durchschnitt deutlich älter. Ich denke bei dieser Tour kann ich mich auf all die freuen, die die letzten 10 Jahre feiern möchten, und zugleich einen Einblick nach vorne in die neuen Songs haben möchten.

Auch Du hast in diesem Jahr auf dem Benefizkonzert zur Rettung des Splash-Festivals gespielt und wie viele andere bekannte Künstler auf deine Gage verzichtet. Was für einen Stellenwert hat dieses Festival für dich und gibt es die in den letzten Jahren immer wieder für tot erklärte HipHop-Gemeinschaft also doch noch?

Das Splash ist für mich der wichtigste HipHop-Event des Jahres in Deutschland, vielleicht sogar in Europa. Vor und hinter der Bühne passiert da so viel an networking, kennen lernen und gemeinsam feiern, dass wir das Festival wirklich brauchen. Allerdings bin ich der Meinung dass es keine "Szene" in diesem Sinne mehr gibt. "Szene" bedeutet Gemeinschaft, und die ist vorbei. Heute gibt es das Rap-Business und in dem gibt es verschiedene Gruppierungen die untereinander fast nichts mehr austauschen, außer Disses. Natürlich gibt es auch Gegenbeispiele: ich bin sehr cool mit Max, Dendemann, den Beginnern, Samy etc., aber alles in allem ist das die traurige Wahrheit.

Du bist ein Fan der japanischen Kultur, hast im November live in Tokio gespielt und in diesem Monat soll die „Sinnflut Japan Edition“ herauskommen. Was hat es mit der „Sinnflut Japan Edition“ auf sich?

Meine Alben gibt es in Japan als Importe. Du kannst den kompletten Curse-Katalog dort im CD-Laden kaufen. Allerdings machen wir nun schon zum zweiten Mal eine Sonderedition für den japanischen Markt, um dort etwas mehr Fuß zu fassen. Da erwarten uns keine riesigen Verkäufe, aber riesige Erfahrungen. Wir haben jetzt mit Nicolay und dem Shinsight-Trio einen Song für die Limited-Edition gemacht und vor Ort weitere Tracks aufgenommen. Das ist jedes Mal wieder ein extremer Kick dort zu sein.

Wie sieht die japanische HipHop-Szene aus? Wo sind Unterschiede zur deutschen Szene ganz deutlich erkennbar und könnte sich die deutsche Szene bei den Japanern etwas abschauen?

Ich kann dazu nicht wirklich Auskunft geben, da ich zu wenig Überblick habe über das, was dort passiert. Wir sind meist nur in Tokio und auch dort recht beschäftigt, so dass ich durch ein bis zwei Shows immer nur kleine Einblicke bekomme.

Was gibt’s in Zukunft neues bzgl. deines Lables „Alles Real Records“? Neue Künstler? Neue Veröffentlichungen?

Italo Reno und Germany bringen beide ihre Solo-Alben zu Beginn 2007 heraus. Das wird extrem interessant. Ich wünschte ich könnte schon mehr verraten. Aber wer interessiert ist, bekommt auf der Tour exklusiv das neue Zeug zu hören!

Die letzten Worte gehören Dir!

Kommt auf die "Einblick nach vorne" - Tour! Wir sehen uns dort. Curse.

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