INTERVIEWS

MADSEN -Wir sind überzeugte Landeier-

So richtige Neulinge im Musikgeschäft waren Madsen nicht, als sie 2005 auf der nationalen Popbildfläche erschienen. Da hatten die Musiker der fünfköpfigen Band schon fast zehn Jahre musikalische Aktivitäten hinter sich. Und doch dauerte es bis zu eben diesem Jahr, bis sie mit ihrem schrammeligen Sound zwischen Rock, Punk und Pop mit deutschen Texten, vom Publikum und der Poppresse gefeiert wurden. Nun ist das dritte Studioalbum der Band mit dem Titel „Frieden im Krieg“ erschienen. Dazu ein Gespräch mit Folkert „Folli“ Jahnke, Keyboarder der Fünfertruppe vom Lande.

Die Tour zum neuen Album steht an. Auf was freust Du dich am meisten?

Am meisten freue ich mich darauf, wieder mit der ganzen Bande zusammen im Tourbus unterwegs zu sein. Und auch auf die ganze Crew um uns herum – das war bisher immer ein wunderbares Team. Natürlich freue ich mich auch, endlich die neuen Songs spielen zu können und bin schon sehr gespannt darauf, wie sie das Publikum annehmen wird. Die Vorfreude, unterwegs zu sein, ist riesig. Wir haben auch lange genug Zeit im Studio verbracht – da kriegt man schon Entzugserscheinungen.

Hast du Erwartungen an die kommenden Konzerte in Deutschland und Österreich?

Der Vorverkauf lief, soweit ich weiß, bisher wirklich gut. Einige Konzerte sind, glaube ich, auch schon ausverkauft. Da ist man natürlich motiviert. Ich hoffe einfach, dass unsere neuen Songs dem Publikum gefallen werden und wir den treuen Fans etwas bieten können. Ansonsten lasse ich die Tour einfach auf mich zukommen.

Auf was kann sich der sehnsüchtig wartende Madsen-Fan denn freuen?

Natürlich auf jede Menge neue Stücke. Über das Gästebuch auf unserer Website haben wir da auch schon viel Feedback bekommen, dass insgesamt sehr positiv war. Neben den neuen Sachen spielen wir natürlich auch die altbekannten Hits – das macht uns und den Fans immer wieder sehr viel Spaß.

Euer drittes Album mit dem Titel „Frieden im Krieg“ ist gerade erschienen. Was steckt hinter dem Namen?

Ehrlich gesagt saßen wir Stunden im Studio und haben uns überlegt, wie wir das Teil denn nun nennen sollen. Wir hatten einfach keine Idee. Irgendwann hat dann einer von uns gesagt: „Lasst und das Album doch einfach Frieden im Krieg nennen“, genau wieder gleichnamige letzte Song des Albums. Wir haben dann gesagt, okay, die Platte ist irgendwie ein bisschen Frieden und auch ein bisschen Krieg, haben kurz abgestimmt, und der Titel des Albums stand fest. Der Name hat also keine politische oder sonstige tiefgründige Bedeutung.

Ihr wolltet auf der aktuellen Platte wieder „rotziger, unprofessioneller, gewaltiger“ klingen. Woher kam dieser Wunsch?

Keine Frage, unsere ersten beiden Alben finden wir immer noch klasse. Aber vor allem nach dem Zweiten hatten wir dann das Gefühl, an einigen Stellen doch schon etwas zu sanft und poppig zu klingen. Das wollten wir beim aktuellen Album ändern und haben uns dazu auch einen neuen Produzenten mit ins Boot geholt.

Das war dann der nicht gerade unbekannte O.L.A.F. Opal (Juli, Sportfreunde Stiller, Ich & Ich, The Notwist uvm.). Wie lief die Arbeit mit ihm?

Als wir ihn das erste Mal gesehen haben dachten wir nur, was ist denn das für ein Vogel? Mit ihm zu arbeiten war wirklich anders, als wir es bis dahin gewohnt waren. Bei den ersten Alben waren wir mit unseren Demos ins Studio gegangen, und hatten in einem Rutsch alles einfach eingespielt. Mit O.L.A.F. Opal saßen wir insgesamt ein halbes Jahr am Album. Da passierte es schon ab und zu, dass er einfach sagte: „Gut Jungs, jetzt geht erst mal ’ne Currywurst essen, und dann spielt ihr das noch mal richtig ein!“ Er hatte diese direkte Ruhrpott-Art. Insgesamt war es eine spannende Zeit und O.L.A.F. Opal hat viel aus uns herausgeholt.

Wie verlief die Arbeit am Album? Gab es besonders kuriose oder schöne Momente?

Ich erinnere mich noch an eine Sache. Eines Abends sind wir, während der Zeit im Studio, um die Häuser gezogen. Auf Dauer hält man es ja im Proberaum und Studio auch nicht aus. Als die Sonne dann am Morgen aufging, haben wir leicht verkatert die Aufnahmen von unserem Album gehört. Das war irgendwie ein sehr schöner Moment.

Soweit ich weiß, lebt ihr immer noch im ländlichen Niedersachsen. Wieso sitzt ihr nicht schon längst in einem der schnieken Künstlerlofts in den Popmetropolen Deutschlands?

Sebastian, unser Frontmann, lebt mittlerweile halb in Berlin und halb in seinem Ort. Der Rest lebt noch immer im Umkreis von 20 Kilometern um den Proberaum verstreut auf dem Lande. Wir fühlen uns einfach wohl hier. Hier haben wir unseren Proberaum und nehmen unsere Demos auf. Ich glaube, wir sind einfach gerne überzeugte Landeier (lacht).

Kritiker sprechen immer mal wieder von einer grenzwertigen Kombination aus 3-Akkorde-Schlagermelodien mit schroffen Punkriffs. Wie denkst Du darüber?

Ich finde so etwas eigentlich immer witzig und lese es gern. Wäre ja auch langweilig, wenn man immer nur positive Kritik und Lob für das eigene Schaffen bekommen würde. Nach dem Bundesvision Songcontest von Stefan Raab schrieb einer in unser Gästebuch: „Ihr seid eine Schande für Niedersachsen“. Das fand ich witzig und zeigt auch mir immer wieder, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Denn wir wollen ja nicht Everybody’s Darling werden.

Gibt’s sonst schon weitere Pläne?

Bis Weihnachten sind wir jetzt erst einmal ausgebucht, was Konzerte betrifft. Ich denke im nächsten Jahr werden wir vielleicht mal eine kleine Pause einlegen. Sonst spielt man sich einfach tot und verliert auch die Kreativität.

 

Danke für das Gespräch und viel Erfolg mit dem aktuellen Album.

 

Interview: Friedemann Schreiter

www.madsenmusik.de

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