INTERVIEWS

Sven Väth im Interview

Sven Väth – das bedeutet vor allem eines: Elektronische Clubkultur auf allerhöchstem Niveau. Für die Ohren. Für die Augen. Und für den Rest menschlicher Sinne. Der deutsche DJ, der im Popfeuilleton schon mal gern als einziger international bekannter, deutschsprachiger Popstar seines Metiers bezeichnet wird, kommt auch 2008 nicht zur Ruhe. Momentan reist er auf seiner  Welttournee wieder munter durch die internationale Clublandschaft.

 

Vor Dir liegt Deine Welttournee 2008, die noch bis zur Hälfte des Jahres dauern wird. Einige Konzerte hast Du schon gespielt. Wie war der Start?

Los ging es in Shanghai, dann weiter nach Tokio, Jakarta und Singapur. Es war in allen Städten wirklich wunderschön. Wie emotional die Japaner sein können, ist einfach unbeschreiblich. Sie sind so hingebungsvoll. In Jakarta war ich das erste Mal. Da war ich gespannt, wie unser Sound ankommen würde, aber die Leute kannten uns schon. Alles in allem ein unbeschreiblicher Start. Wie die Asiaten auf unsere Musik abgehen, ist ein schönes Gefühl.

 
Was erwartet den Besucher auf einem Deiner Konzerte 2008?

Wir hatten letztes Jahr auf Ibiza in unserem Club das Motto Freakshow. Die Mix-CD (The Sound Of The Eight Season), auf welcher der Sommer des letzten Jahres musikalisch festgehalten wurde, besteht aus zwei CDs: Die erste beinhaltet Stücke, die ich mehr in der Nacht gespielt habe. Sie ist also eher dem dunklen, geheimnisvollen, nächtlichen gewidmet. Die Zweite CD beinhaltet eher die Tracks, die ich am Tage spielte und mit denen Partys auf Ibiza ganz sanft am Morgen am Strand oder am Pool ausklingen.
Ich selbst bin der Oberfreak (lacht), der die Besucher auf diese musikalische Freakshow zwischen Tag und Nacht mitnimmt.

Die 1990er Jahre waren hierzulande prägend für die Technokultur, Du warst von Beginn an dabei. Wie siehst Du heute die deutsche Technoszene?

Gerade der deutsche Sound in diesem Bereich – also Techno, Trance, Minimal, House, Electro – hat in den letzten Jahren wirklich unheimlich an Fahrt gewonnen. Ich würde sagen, Deutschland ist im Moment mit Abstand das produktivste Land in diesem Musikbereich und das nicht nur quantitativ. Was hier an Qualität, Vielfalt, Künstlern, Festivals, Magazinen und Clubs geboten wird, ist wirklich beachtlich. Nicht zuletzt auch wegen Berlin, das immer mehr internationale Künstler nach Deutschland zieht. Ich denke wir sind uns hier in Deutschland über die letzten Jahre immer treu geblieben, haben uns nicht beirren lassen und daraus ist etwas Beachtliches gewachsen.
 

Du hast Dich immer wieder der Vielfalt der Musik- und Klubkultur in verschiedensten Projekten gewidmet. Woher kommt diese Faszination?

Ich komme von der Tanzfläche. Im Tanz liegt für mich die eigentliche Faszination. Dieses sich Fallenlassen und Gehenlassen zur Musik, das war immer ein wichtiger Bestandteil in meinem Leben. Es ist für mich immer wieder eine Entdeckung, wie man Menschen mit Musik auf eine Reise mitnehmen kann, wie sie aus dem Alltag aussteigen können und wie für ein paar Stunden alles andere unwichtig wird und sie glücklich sind. Es hat mich immer wieder beschäftigt, wie man für Menschen einen solchen Rahmen, solche Räume schaffen kann. Das hat mich gepackt und tut es bis heute. Ibiza hat mich in den 1980er Jahren da auch sehr geprägt.
 

Wie war es zu der Zeit auf Ibiza?

Damals gab es nur Open-Air-Clubs. Tänzer und Tänzerinnen wurden extra aus Brasilien eingeflogen. Italiener, Franzosen, Inder oder Spanier feierten zusammen und hatten gemeinsam eine Menge Spaß. Diese Stimmung, dieses Flair, diese Umgebung haben mich damals mitgerissen und in mir den Wunsch geweckt, sich weiter mit diesen Themen zu beschäftigen. Heute ist daraus die Agentur Cocoon mit dem Label Cocoon Recordings gewachsen und noch eine Menge drumherum.

 



Was schätzt Du heute an der Partykultur auf der Insel?

Auch heute ist es vor allem die Offenheit und die musikalische Freigeistigkeit, die ich an diesem Ort so schätze. Es ist immer noch ein sehr internationales Publikum da. Es sind vor allem die Menschen, das Lebensgefühl, die diesen Ort so einzigartig machen und für mich der Insel bis heute ihre Großartigkeit verleihen. Vielleicht gibt es auch noch einen anderen Grund, der mich immer wieder dorthin zieht: Die Insel steht im Zeichen des Skorpions und ich bin selbst auch einer.
 

Du wirst hierzulande oft als der einzige international bekannte, deutsche DJ-Popstar Deines Metiers bezeichnet. Wie denkt man mit 43 Jahren über einen solchen Begriff?

Nun gut, ich habe jetzt keinen Button an der Jacke kleben, wo das drauf steht, oder eine Kette mit diesem Etikett umhängen. Natürlich ist es schön, wenn man sich über Jahre hinweg für eine Kultur stark macht und sie in allen Phasen mit begleitet, ihr treu bleibt und versucht sie zu entwickeln, und dann auch irgendwann ein paar Lorbeeren dafür bekommt. Es ist natürlich ein gutes Gefühl, wenn man nach Moskau, Australien oder Jakarta kommt und die Leute lassen sich auf den Sound ein, den ich spiele und es entsteht eine schöne, positive Atmosphäre: Das ist eigentlich das größte Geschenk. International ist es vor allem die deutsche, elektronische Musik, die bekannt ist und insofern bin da auch nicht ich der Popstar, sondern Deutschland ist der Popstar. Wir haben der Welt schon signalisiert, dass wir in diesem Bereich den Groove gefunden haben (lacht).


Was sind Deine nächsten und anstehenden Projekte?

Im kommenden Jahr wird es einige interessante Veröffentlichungen auf meinem Label geben. Zum Beispiel ein Album von Extrawelt aus Hamburg oder ein Album von zwei großartigen Schweden namens Minilogue. Zu deren Doppel-CD wird es auch noch eine DVD geben. Ein Videokünstler aus Neuseeland hat die Tracks der CDs visualisiert. Das ist auf jeden Fall ein sehr spannendes Projekt. Dann stehen noch einige Mix-CDs an und ich sitze nebenbei auch noch an einem neuen Album.

 

Ich bedanke mich für das Interview und wünsche Dir und euch eine schöne Welttournee.

 

Sven Väth, 21.03.2008, Eventwerk Dresden, www.washroom.de

 

Interview Friedemann Schreiter

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