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L authälse Shout Out Louds über Dresden

Die fünf sympathischen Schweden von Shout Out Louds sind seit ihrem ersten Album „Howl Howl Gaff Gaff“, das international die Runde macht, jedermanns Darling. Gerade ist das dritte Album erschienen. Es trägt den Titel „Work.“ Die Vorabsingle „Fall Hard“ rotiert schon seit Wochen in den Radios. Ein brachialer Ohrwurm, der sich, einmal gehört, nicht mehr abschütteln lässt. Ob sie wohl schwer zu tun hatten und deshalb der Platte den Titel „Work“ verpasst haben? Die  Männerriege der Band, bestehend aus Frontmann und Gitarrist Adam Olenius, Gitarrist Carl von Arbin, Bassmann Ted Malmros und Schlagzeuger Eric Edman stand für DD-Inside in Berlin bereit, um einen Fragenkatalog abzuarbeiten, den Franz X.A. Zipperer verfasst hat.

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Franz X.A. Zipperer (fxaz): Ein gutes Rezept, um an eurer aktuellen Platte arbeiten zu können, schien euch das zu sein, dass erstmal jeder seinen eigenen Weg geht? Eine interessante Basis, eine CD zu machen?

Adam Olenius (adole): Absolut richtig. Ich verbrachte die meiste Zeit in Melbourne, wo ich auch schon die ersten Songs fürs neue Album schrieb, Meine Freundin lebt dort. So war die Situation, nach endlosem Tourstress, emotional etwas angenehmer. Entspannter. Bebban
vergnügte sich derweil in Los Angeles, während Carl, Ted und Eric die ganze Zeit in Stockholm blieben.

fxaz: Ist der Albumtitel ein Indiz dafür, dass Rock`n`Roll Arbeit macht?

adole: Eigentlich waren wir zunächst etwas faul. Aber nur die ersten zehn Tage. Das gab es wirklich Arbeit en masse.

Carl von Arbin (cva): Ich bin froh, das es vorbei ist. Der Prozess, ein Album aufzunehmen kann verdammt lang sein. Ich freue mich darauf, die Stücke endlich live zu spielen und sie weiter zu entwickeln. Das ist für mich weniger mit dem Begriff Arbeit verbunden, da kommt
mehr und mehr der Spaßfaktor ins Spiel, ...

adole: ... eine neue Platte zu machen, ist immer auch ein Kraftakt.

fxaz: Wie funktioniert bei euch der Prozess des Stückeschreibens?

adole: Alle helfen ein wenig. Ich mache die meisten Melodien und die Texte. Es gibt Songs, an denen ich ganz alleine arbeiten muss, um herauszufinden, welche Emotionen sie vermitteln sollen, aber es gibt auch Songs, die wir schon früh zusammen spielen und wo jeder einen
Teil beisteuert und über die wir lange diskutieren.

cva: Wir spielen eine Stunde und diskutieren eine Stunde.

fxaz: Eure Musik ist, wie bei vielen nordischen Bands, ziemlich melancholisch. Ist man als Skandinavier zwangsläufig auch Melancholiker?

Eric Edman (ered): Es ist halt länger dunkel bei uns, als vielerorts. Und auch wenn wir die Fröhlichkeit von Beach Boys-Stücken mögen, könnten wir nie solche schreiben. Dazu fehlen uns die entsprechenden Sonnenstunden.

cva: Ich finde Melancholie ist etwas sehr Schönes. Ich mag es jedoch nicht, wenn es zu melancholisch wird. Ich mag den Kontrast zwischen fröhlicher Musik und traurigen, melancholischen Texten. Ich finde die bittersüße Art etwas zu sagen, hat auch eine große Kraft. Wir versuchen auch, nicht zu traurig oder zu fröhlich zu sein, den richtigen Mittelweg zu finden.

adole: Ich denke wir sind ziemlich positive Menschen. Gerade in der Musik von „Work“ kommt auch ein wenig mehr unserer anderen Seite zum Tragen.

fxaz: „Works“ klingt insgesamt zwar unterkühlter, als eure bisherigen Alben. Aber es klingt auch nach Rückbesinnung auf euch als Band. Beim Album „Our Ill Wills“ wart ihr mehr so in Richtung Drama plus Streicher plus Perkussion unterwegs.

Ted Malmros (temal): Nun, auf dem letzten Album war der Klang fast übermächtig groß. Deshalb sollte er wieder einfacher werden. Wir wollten uns wieder mehr auf uns und unsere Instrumente fokussieren. Es sollte sich wieder um die Gitarren und nicht um irgendwelche extra Instrumente drehen.

fxaz: Ihr habt auf euren letzten Alben immer mit sehr viel Stolz verkündet, wie wichtig euch der Stockholm-Sound der Band ist. „Work“ entstand nun in Seattle, gemeinsam mit dem amerikanischen Produzenten Phil Ek. Wie habt ihr zueinander gefunden?


adole: Seine Arbeit mit Band Of Horses, Fleet Foxes und The Shins hat bewiesen, dass er musikalische Ideen optimal zu kultivieren versteht. Ein paar dieser Bands hatten uns auch erzählt, wie angenehm die Zusammenarbeit mit ihm ist. Darüber hinaus finde ich, einige der
von ihm produzierten Platten sind ganz groß. Etwa die letzten Shins-Platten. Ich schickte ihm einige unserer Proberaumaufnahmen. Er mochte sie und so flogen wir nach Amerika.

temal: Er ist ein ganz guter und überaus bodenständiger Typ. Er ist kein Mensch von großen Worten. Seine Führung ist eher eine behutsame, ...

cva: ... er hört ganz genau hin, was die Musiker anzubieten haben und destilliert dann den wirklichen Bandklang heraus. Er ist uns absolut gerecht geworden. Das Album klingt genau so, wie wir klingen wollten: transparent und die Songstrukturen sollten klar sichtbar bleiben.
fxaz: Es gibt kaum ein Interview, in dem ihr nicht übers Essen redet.

adole: Ja, wir sind Genussmenschen. Wir touren fast in der ganzen Welt. Das heißt natürlich auch, es gibt immer etwas zu entdecken, auch essenstechnisch. Da müssen wir immer etwas Landestypisches probieren, das geht nicht anders, ...

cva: ... was wir eine Zeit aufwenden, um Essen zu probieren, das ist schon unglaublich.


Eine recht gute Independent-Truppe waren sie ja schon immer. Doch mit der Veröffentlichung von „Work“ zeigt die Combo, dass sie grandios sind und vor allem, welches Potential immer noch in ihnen steckt. Shout Out Louds haben ihr Pulver noch lange nicht verschossen.

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