INTERVIEWS

WELLE:ERDBALL WIEDER AUF SENDUNG!

Errungenschaften der Moderne werden musikalisch und kritisch hinterfragt

Ihren Namen haben die Minimal-Electro Frickler einem Hörspiel aus dem Jahr 1928
entlehnt. Radio ist auch gleichzeitig ein Schlüssel zum Verständnis des Konzepts von Welle:Erdball, wollen sich als imaginären Radiosender verstanden wissen. Konzerte sind demnach die öffentliche Reproduktion von Sendungen. Konzeptionell geht es auch bei der Bandoptik zu. Schwarze Anzüge, weiße Hemden, schwarze Krawatten, schwarze Lederhandschuhe und dunkel Sonnenbrillen, das sind die Kleidungsutensilien der männlichen Protagonisten. Der weibliche Rest des Quartetts lässt sich neuerdings gern im Dirndl ablichten. Und doch ist die Bezeichnung Quartett nicht richtig, es gibt da noch ein fünftes Mitglied, Commodore 64 ist sein Name. Genau, der legendäre 80er-Jahre Computer, der in seiner tragbaren Version auch tourfähig ist. Aktuell geht es bei „Operation:Zeitsturm“ um einen Kinofilm und der dazugehörigen Musik, die von Welle: Erdball stammt.


Wie bei so vielen Veröffentlichungen der Truppe geht wird auch diese stark von einem technischen Themen geprägt und so genannte Errungenschaften der Moderne wurden kritisch hinterfragt. Es geht um Zeit, um eine Zeitmaschine und um Zeitforscher. Noch Fragen zum Sendungsbewusstsein von Welle:Erdball? Verdammt viele! Wer könnte besser als Fragensteller auftreten, als das personifizierte DD-Inside-Fragezeichen  Franz X.A. Zipperer? Und wer könnte sie besser beantworten, als Gründungsmitglied Hannes Malecki, dessen alter Ego bei Welle:Erdball den schicken Namen Honey trägt?

welleFranz X.A. Zipperer (fxaz): Klarnamen spielen bei Welle:Erdball keine Rolle. Wer steckt personell eigentlich dahinter?

Honey: Ich bin für Musik und Text verantwortlich, letzteren bringe ich durch meine Stimme zum Vortrag. Kollege A.l.f. ist der große Organisator und Visionär inbezug auf Konzerte und Konzeption. Für unseren künstlerischen Antrieb ist Commodore 64 zuständig, aber auch tonal, stimmlich und sequenzial zum Zuge kommt. Dann hat Welle:Erdball noch weibliche Anteile. Frl. Venus kultiviert neben ihrer Stimme unser Finanzwesen und Plastique ist ebenfalls stimmgewaltig und eine unglaubliche Designerin. Für das künstlerische Konzept sind Klarnamen jedoch völlig uninteressant. Und heißt nicht ein Lied von uns „Niemand erkennt uns?“

fxaz: Wie sieht das aus, dieses künstlerische Konzept?

Honey: Für diejenigen, die, wie wir, an Sendungen arbeiten, ist Recherche der Hauptteil der kompletten Arbeit. Nur so können wir die Hörer auf objektive und akkurateWeise über verschiedene Themen informieren. Text soll in erster Linie eine objektive Betrachtung
aktueller Dinge entstehen lassen. Damit dies jeder verstehen kann, ist Deutsch die Sprache dieser Kommunikation.

fxaz: Warum muss es unbedingt Deutsch sein?

Honey: Eine anglizismenfreie Buchstabensynthese empfinden wir als schön. Wir stehen zur deutschen Kultur und seiner Sprache. Wir halten seine Fahne hoch. Wir spielen auch mit unserer Sprache und zeigen gern, dass es abseits des dämlichen Stammtischgesülze und den Bravo-Photo-Roman-Pickel-Argumenten auch noch eine überaus betretenswerte andere
deutsche Sprachwelt gibt. Wir wollen zwar Inhalte vermitteln, aber dem Hörer auch keine Meinung aufdrängen. Die hat er sich schon selbst zu bilden. Doch Denkanstöße und neue Sichtweisen der Dinge sind uns sehr wichtig.

fxaz: Zur Sprache gehört dann unweigerlich auch die Musik, sonst gibt es keine Lieder. Wie ist euer musikalischer Zugang?

Honey: Der erste Kontakt vollzog sich wohl mit Stücken wie „Popcorn“ von Hot Butter und Liedern wie „Radioaktivität“ oder „Autobahn“ von Kraftwerk. Das führte uns unmittelbar mitten hinein in die Neue Deutsche Welle. Sie ist eine der wenigen deutschen Kunstrichtungen, wenn nicht die einzige wirkliche Jugendsubkultur, die nicht mit der Musik endet, sondern auch eine Mode und ein Lebensgefühl in sich birgt und deren Wurzeln nicht im kommerziellen Bereich, wie bei HipHop oder Techno, sondern im Idealismus liegt. Das ist der Reiz, ...

fxaz: ... da seid ihr ja auch mit Coverversionen gut zugange, ...

Honey: ... schon, aber mit bearbeiteten Versionen halten wir uns nach „Fred vom Jupiter“, „Total Normal“, „Es geht voran“ und „Berühren“ aber erstmal ein wenig zurück. Warum sollte man auch Perfektes besser machen, wenn man die Option besitzt, Neues akkurat zu machen.
Welle: Erdball führt diese glorreiche Ära der deutschen Musikgeschichte jedoch weiter fort.
fxaz: Du hast mal gesagt, kein Instrument dieser Welt kann so wunderschön piepen, wie ein Computer. Da war vermutlich von einem Commodore 64 die Rede. Da habt ihr wohl einen
ganzen Sack voll?

Honey: Davon kann man nun wirklich nie genug haben. Wir haben auch alle möglichen Versionen davon rumstehen: C=64, C=64 II, C=64 G, SX-64, C=128, C=128D, C=128DB. In vollem Betrieb und Dauereinsatz sind aber momentan nur fünf dieser Apparaturen. Der Rest dient zu Bastelzwecken oder als Vorrat.

fxaz: Aus den bisherigen „Radio“-Sendungen ist erstmals eine „Film“-Sendung geworden. Wie kam es dazu?

Honey: Wir wollten schon immer mal Filmmusik machen. In unserem ganz eigenen Stil. Doch es hat weder George Lucas noch Stephen Spielberg angerufen. Also haben wir zunächst zu jedem Lied einen Videoclip gemacht. irgendwann gab es so viel Material, dass es zu einem Spielfilm nur noch ein kleiner Schritt war. Daraus entstand „Operation:Zeitsturm“, ...

fxaz: ... und welche Geschichte wird erzählt?

Honey: Im Schnelldurchlauf etwa diese, ich empfange Signale von einem Wissenschaftler, der im Zweiten Weltkrieg gezwungen wurde, eine Zeitmaschine zu erfinden. Mit den Hinweisen, wie
man seine Erfindung vollendet und wo sie zu finden ist, sollen Welle:Erdball-Bandmitglieder
seine Tochter retten, ...

fxaz: ... und im Konzert liegt Fokus nun auf der Filmmusik?

Honey: In gewisser Weise ja, aber die Dresdner, die uns bereits im Oktober 2008 gehört
und gesehen haben wissen, dass auch die Klassiker, darunter „Starfighter F104G“, „Arbeit adelt!“, „23“ oder „1000 weisse Lilien“in den aktuellen Spielplan mit eingebunden werden.


Da kann nur im Stil des Losbudenschreiers dazu aufgerufen werden: „Seid dabei, wenn es wieder heißt, hallo, hier spricht Welle: Erdball, Symphonie der Zeit. Aus dem Äther schwingt und schwillt sie in die Ewigkeit!“ Denn mit diesem Zitat beginnt seit 1993 jedes Bühnenspektakel. So auch das kommende. Im Vorprogramm der Show wird auch der Film „Operation:Zeitsturm“ gezeigt. Auf DVD mit der dazugehörigen Filmmusik auf CD wird er im Handel vermutlich erst im
April zu haben sein.
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