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  • Societaetstheater

  • Adresse:
  • An der Dreikönigskirche 1a
  • PLZ / Ort:
  • 01097 | Dresden
  • Telefon:
  • 0351-8036810
Societaetstheater
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Im barocken Gebäude hat ein modernes Theater Einzug gehalten, das Aufführungen des Sprech-, Tanz-, Musik- und Figurentheaters Raum gibt. Freischaffende Künstler aus der Region und Gäste aus dem In- und Ausland stehen inzwischen auf der historischen Bühne. Heute wendet sich das Societaetstheater vor allem Themen und Stoffen der Gegenwart zu.
Dazu schaffen Festivals, Werkstattveranstaltungen und Diskussionsforen Experimentier- und Begegnungsräume für künstlerischen wie intellektuellen Austausch. Zwei Bühnen und der Spielraum im Foyer stehen den Künstlern für ihre Projekte zur Verfügung. Im Sommer lockt ein zusätzlicher Spielraum in den barocken Garten.

Historie:

1776
Gründung des Dresdner Freundeskreises "Societaetstheater".

1779

Umzug der Vereinigung in das Gartengebäude des Regierungskanzlisten Johann Christoph Hoffmann in der Dresdner Neustadt (das heutige Societaetstheater).

1832

Mit Wilhelm Ifflands Schauspiel "Die Erinnerung" wird das Societaetstheater für den regelmäßigen Spielbetrieb feierlich geschlossen.

1999

Nach Wiederaufbau des verfallenen historischen Gebäudes eröffnet das neue Societaetstheater als städtische Kammerbühne.


EIN GESELLIGES JAHRHUNDERT

(Die folgenden Textausschnitte stammen aus: Der Mensch hascht unaufhörlich nach Vergnügen. Zur Geschichte des Societaetstheaters in Dresden und anderer "Bühnen im Taschenformat" von Eckhard Gruber, 1998. Das Buch ist an der Theaterkasse erhältlich.)

Wie kein anderes Jahrhundert war das achtzehnte auch ein "geselliges Jahrhundert". In literarischen Societaeten wurde die an den Höfen verfemte deutsche Sprache gepflegt. Vor allem nach Beendigung des Siebenjährigen Krieges regten diese Societaeten längst überfällige Reformen in Handel, Gewerbe und Landwirtschaft sowie im Schul-und Armenwesen an. Bei aller Nachahmung der Theatergepflogenheiten am Dresdner Hof ist das Societaetstheater zugleich eine Gründung des aufgeklärten Bürgertums gewesen. Als "Societaet" teilte das Theater Gemeinsamkeiten mit all den anderen Vereinigungen zu dieser Zeit. Im Unterschied etwa zu den Zünften beruhten diese Gesellschaften auf einer freiwilligen, ständeunabhängigen Übereinkunft ihrer Mitglieder. Im Gegensatz zu den späteren Salons wiesen sie einen hohen Grad an Organisiertheit auf. Im Vergleich zu den republikanischen Clubs standen sie prinzipiell jedermann offen.


Umbruch der Dresdner Theaterlandschaft

Die Gründung des Societaetstheaters erfolgte vor dem Hintergrund eines Umbruchs der Dresdner Theaterlandschaft, der nach dem Siebenjährigen Krieg durch die Entlassung der französischen Hofschauspieler und das Engagement subventionierter deutscher Theatergruppen in Dresden erfolgt war. Die Verbannung des Spektakelwesens von der Bühne, die Wandlung der fahrenden Komödianten zu ehrbaren bürgerlichen Schauspielern sowie die Anerkennung ihrer Leistungen durch den Adel bildeten die Voraussetzungen, dass sich auch das gehobene Bürgertum verstärkt mit dem Theater befasste.


19. Mai 1776

Der Freundeskreis "Societaetstheater" wird als "Gesellschaft längst verbundener Freunde, (die) bey gleichem Geschmack an Kunst, und bey ähnlichen Trieben zur geselligen Freude (...) mit vereinten Kräften an (der) Errichtung einer Privatbühne arbeiteten" gegründet. Zunächst bestand die Vereinigung aus 15, später aus 50 bis hin zu 75 Mitgliedern, die im gesellschaftlichen Leben als Hofbeamte, Kaufleute, Gelehrte und Dichter tätig waren.

Das Societaetstheater war eine Vereinigung aus Laien, die die regelmäßige gemeinschaftliche Aufführung von deutschen Theaterstücken zum Ziel hatte.


Ein Saal, der zu Maskeraden bestimmt war

Erste Spielstätte war die provisorische Bühne im Gartensaal "Vor dem Falkenschlag" in der Dresdner Friedrichstadt mit einem Zuschauerraum, der 50 Plätze fasste. Danach nahm der Dresdner Hofbuchhändler Conrad Georg Walther die Gesellschaft in seinem drei Mal so großen Gebäude auf. Doch diese Gastfreundschaft endete mit dem Tod des Gönners, und kurz darauf musste erneut mit der Suche nach ausreichend großer Räumlichkeit für das Theaterspiel begonnen werden.

1779 zog die Vereinigung in das Gartengebäude des Regierungskanzlisten Johann Christoph Hoffmann in der Dresdner Neustadt, hinter der Hauptstraße 19, dem Gebäude des heutigen Societaetstheaters.

"Ein Saal, der (...) zu Maskeraden bestimmt war und seine Bestimmung nie erreichte, mitten in der (...) Hauptstraße in einem eigenen Hintergebäude gelegen, wurde (...) zum Schauplatze eingerichtet. Er fasst Parterre und auf der mit einem Amphitheater versehenen Galerie 250 Zuschauer, und im Orchester spielen 24 Musiker. Das Theater hat an der Seite zwey Garderoben (sic!), und 8 Dekorationen (...). Der Haupt-Eingang ist geräumig (...)."


Von der Laienbühne zur Professionalität

Auf dem Spielplan des Societaetstheaters standen im Wesentlichen Komödien, Tragödien, Schauspiele, dramatische Sprichwörter, Opernszenen, Kammerkonzerte, Lieder, Singspiele und Komische Opern. Allerdings räumte man der leichten Muse mehr Raum ein als den Schauspielen, Tragödien oder Singspielen.

War das Societaetstheater ursprünglich als reine Laienbühne gegründet, so verwischten sich nach der Jahrhundertwende mit dem zunehmenden Eintritt von professionellen Schauspielern des Dresdner Hoftheaters in die Vereinigung die Grenzen zwischen "Dilettantismus" und "Professionalität".


Nutzen und Schaden des 'Dilettantenspiels'

Das Theater hatte in seinen ersten Jahren Schule gemacht. Bald nach seiner Gründung entstanden neue Theatergesellschaften. 1802 existierten bereits weitere 12 Liebhabertheater.

Aber diese Entwicklung war vielen Anfeindungen ausgesetzt: Pädagogen, Juristen, Staatsdiener, Dichter und Gelehrte zeigten sich besorgt, dass Kunst, Gesellschaft und Staat durch die wachsende Zuwendung der Bürger zum Theaterspiel Schaden nehmen könnten. Es wurden in Zeitschriften und Literatur Debatten über Nutzen und Schaden des "Dilettantenspiels" geführt, die zu Theaterverboten durch die Obrigkeit führten. Das Societaetstheater blieb davon weitgehend verschont, was es unter anderem seinem guten Ruf und der Mitgliedschaft hoch aristokratischer Kreise verdankte.


Zunehmende Isolation und Auflösung des Theaters am 19. Mai 1832

Mitte der 20-er Jahre des 19. Jahrhunderts kam es zu gespaltenen Kunstauffassungen innerhalb der Societaet, gefolgt von einer tiefergehenden Krise. Die Entwicklung des deutschen Theaters war vorangeschritten, Hof- und Nationaltheater hatten die führende Rolle übernommen und ihre technische und künstlerische Überlegenheit gegenüber den Liebhaberbühnen geltend gemacht. Das Societaetstheater geriet von seiner einstigen zentralen Stellung im Kulturleben der Stadt in immer größere Isolation. Auch repräsentative Mitglieder blieben jetzt zunehmend aus.

Folgerichtig kam es zur Selbstauflösung der Vereinigung. Am 19. Mai 1832, auf dem Tag genau 56 Jahre nach der Eröffnung der Bühne, wurde mit Wilhelm Ifflands Schauspiel "Die Erinnerung" das Societaetstheater für den regelmäßigen Spielbetrieb feierlich geschlossen.


Wiedergeburt

Lange fristete das historische Gebäude des Societaetstheaters ein Schattendasein, bis es verfiel und nur durch das Engagement kulturinteressierter Dresdner vor der Abrissbirne gerettet wurde. Dank der Unterstützung der Kulturstiftung Dresden der Dresdner Bank wurde das alte Gebäude nach historischen Vorlagen wieder aufgebaut und konnte 1999 als städtisches Theater den Vorhang öffnen.




www.societaetstheater.de


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